Panorama

Skandal um Kindesmissbrauch Erster Bischof gibt Amt auf

Nach dem Skandal um tausendfachen Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche Irlands tritt der Bischof von Limerick, Donal Murray, zurück.

IRELAND_BISHOP_LON803.jpg3640213975203888047.jpg

Donald Murray gibt seinen Rücktritt als Bischof von Limerick bekannt.

(Foto: AP)

Papst Benedikt XVI. nahm den Rücktritt des Bischofs an, wie der Vatikan bekanntgab. Erst vor einer Woche hatte Benedikt den Präsidenten der irischen Bischofskonferenz, Kardinal Sean Brady, und den Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, in Rom empfangen, um mit ihnen und hohen Mitgliedern der vatikanischen Kurie über den 700-Seiten-Bericht der sogenannten Murphy-Kommission über die Vorgänge zu sprechen.

In dem Ende November veröffentlichten Bericht hatte die Richterin Yvonne Murphy mit ihrem Team den sexuellen Missbrauch von über 300 Kindern in den Jahren von 1975 bis 2004 durch Priester der Erzdiözese Dublin dargelegt. Dem Report zufolge gibt es keinen Zweifel daran, dass die Pädophilie-Fälle von der Erzdiözese und anderen Verantwortlichen vertuscht wurden.

VATICAN_IRELAND_ABUSE_ROM123.jpg152816359907210073.jpg

Kardinal Sean Brady fordert die Beschuldigten auf, ihre Schlussfolgerungen zu ziehen.

(Foto: AP)

Brady hatte alle, die in dem Bericht namentlich genannt werden, aufgefordert, schnell zu reagieren. Murray ist nun der erste hochrangige Kirchenmann, der zurücktritt. Er stand seit Wochen in der Kritik, weil er nicht auf Hinweise auf pädophile Priester reagiert hätte. Bei einer Messe in der St. John's Kathedrale in Limerick entschuldigte er sich "demütig bei allen, die als kleine Kinder missbraucht wurden". Sein oberstes Anliegen sei es, den Opfern seine Hilfe anzubieten.

Murray behält seinen Titel

Er habe dem Vatikan seinen Rücktritt am 7. Dezember angeboten. "Ich weiß, dass mein Rücktritt den Schmerz der Überlebenden und Hinterbliebenen nicht rückgängig machen kann", sagte Murray. Er trete aber zurück, weil seine Anwesenheit für manche Opfer "Schwierigkeiten bedeutet". Murray wird seine tägliche Arbeit in der Diözese niederlegen, aber seinen Titel behalten.

Opferorganisation fordert Politikwechsel

Die Opferorganisation One in Four forderte unterdessen weitere Bischöfe zum Rücktritt auf. Ein einziger Rücktritt sei noch kein grundlegender Politikwechsel von Seiten der katholischen Kirche, erklärte die Opfer-Vertreterin Maeve Lewis. Murray sei nicht der einzige Weihbischof in Dublin gewesen, der Informationen über Kinderschänder in den eigenen Reihen gehabt und nicht darauf reagiert habe. Irischen Medienberichten zufolge könnten in den kommenden Wochen - wie gefordert - noch weitere Bischöfe zurücktreten.

Der Papst hatte sich "tief bestürzt und betrübt" über den Missbrauchsskandal gezeigt und Konsequenzen angekündigt. Die Kirche werde diesen ernsten Fall weiter verfolgen, um die Ursachen des Missbrauchs besser zu verstehen und "Strategien auszuarbeiten, um jede Wiederholung zu verhindern". Dabei ginge es nicht zuletzt um die Kontrolle lokaler Priester, die sich um die Seelsorge von Kindern kümmern. Angekündigt wurde ein Brief Benedikts an die katholische Kirche und die Gläubigen in Irland, in dem der Papst klare Maßnahmen darlegen wolle.

Gewalt an der Tagesordnung

Erst im Mai war ein Sonderbericht veröffentlicht worden, demzufolge in Irland im Namen der katholischen Kirche tausende Kinder misshandelt und missbraucht wurden. In Heimen und Schulen der Kirche seien seit den 30er Jahren Schläge, Demütigungen und Vergewaltigungen an der Tagesordnung gewesen, heißt es in dem sogenannten Ryan-Bericht. Eine Sonderkommission hatte dafür neun Jahre lang ermittelt und mehrere Jahrzehnte untersucht.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

Mehr zum Thema