Panorama

Missbrauch und Ökumene Erwartung an den Papst steigt

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Zum Papstbesuch wird auch der Feldweg zur Wallfahrtskirche Etzelsbach asphaltiert. Bischof Wanke ist begeistert.

(Foto: dpa)

Die Erwartungen an den Papstbesuch sind groß. Eine Viertelmillion Menschen hat sich schon angemeldet. Die Bischöfe wollen Fortschritt in der Ökumene, glauben aber nicht an einen schnellen Wandel.

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Blick auf das Pilgerfeld.

(Foto: dpa)

Die deutschen Bischöfe wünschen sich vom Papstbesuch in der Bundesrepublik einen wichtigen Impuls für die weitere Annäherung zwischen Katholiken und Protestanten, warnen aber vor übertriebenen Hoffnungen auf baldige Reformen. Benedikt XVI. wolle bei dem geplanten Treffen mit der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ein "besonderes Zeichen" für die Ökumene setzen, sagte der Erfurter Bischof Joachim Wanke.

Ob der Papst bei seinem Besuch auch Missbrauchsopfer treffen wird, ließen die Bischöfe der Gastgeber-Städte vor Journalisten in Berlin offen.

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Zollitsch und Woelki fällt die Aufgabe zu, von gedämpfter Hoffnung zu reden.

(Foto: dapd)

"Der Papst ist sehr bemüht, diese Dinge aufzuarbeiten", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch mit Bezug auf zahlreiche Fälle sexuellen Missbrauchs in katholischen Einrichtungen. Benedikt wolle verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückgewinnen. "Wir durchleben eine schwierige Phase", sagte Zollitsch. "Der Heilige Vater verschließt nicht den Blick vor der Lage der Kirche in Deutschland." Der frühere Kardinal Joseph Ratzinger besucht Deutschland vom 22. bis 25. September.

Allerdings dämpfte Zollitsch die Erwartungen auf schnelle Reformen, etwa bei der Anerkennung geschiedener Eheleute. "Wir können in bestimmten Fragen nicht deutsche Sonderwege gehen", sagte der Freiburger Erzbischof. Die deutsche Kirche müsse sich behutsam vortasten und in die weltumspannende Kirche unter Leitung des römischen Papstes einbinden lassen.

Papst-Besuch nicht auf Kosten der Armen

Zu den Begegnungen mit dem Papst in Berlin, Erfurt, dem Eichsfeld in Thüringen und Freiburg haben sich bisher 250.000 Menschen angemeldet. Rund 6500 kommen aus dem Ausland, vor allem aus Frankreich, Italien und Polen. Trotz der auf 25 bis 30 Millionen Euro veranschlagten Kosten der Reise, die von der katholischen Kirche getragen werden, bleiben die Bischöfe bei ihren Hilfszusagen für die Entwicklungsländer. Eine Kürzung der Mittel für die Armen in der Dritten Welt werde es nicht geben.

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Eigens für den Papstbesuch hat das Erzbistum Berlin für rund 60.000 Euro 130 neue Messgewänder bestellt.

(Foto: dpa)

Zur Pastoralvisite Benedikts soll aus Kollekten und Spenden ein Hilfsfonds für Ostafrika eingerichtet werden. Dort hungern zur Zeit Hunderttausende wegen einer Dürrekatastrophe. Das Geld soll dem Papst für die karitative Arbeit des Vatikans zur Verfügung gestellt werden. Die Ausgaben für den Besuch sollen auf alle 27 Bistümer in Deutschland verteilt werden.

Für die Gespräche mit der EKD im Erfurter Augustinerkloster, wo der Reformator Martin Luther lebte, "als er noch katholisch war", wie Wanke sagte, gebe es auch eine "Bringschuld" der Protestanten. Dabei gehe es um ein gemeinsames Kirchenverständnis, "über das ja in den ersten 1500 Jahren Konsens gab", betonte der Erfurter Bischof. "Wir reden beide von Kirche, verstehen darunter aber etwas Verschiedenes". Im Mittelpunkt des theologischen Gesprächs stehe das Verständnis des Priesteramtes.

Messe bereits ausgebucht

Die Messe im Berliner Olympiastadion am 22. September ist bereits ausgebucht, alle 70.000 Plätze sind vergeben. "Last minute ist nicht mehr möglich", sagte der Hauptstadt-Erzbischof Rainer Maria Woelki. Die angekündigten Demonstrationen und die Kritik von Abgeordneten des Bundestages an dem Besuch sehen die Bischöfe gelassen. "Solche Proteste gehören zur Demokratie", sagte Zollitsch. Am ersten Besuchstag redet der Pontifex im Bundestag.

Quelle: ntv.de, dpa

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