König für einen TagWer hat die Bohne im Kuchen?
Mit den drei Heiligen aus dem Morgenland Caspar, Melchior und Balthasar kann auch jeder Normalsterbliche König für einen Tag werden. Man muss nur einen Kuchen backen und fündig werden.
"Die heil'gen drei König' mit ihrem Stern,
Sie essen, sie trinken, und bezahlen nicht gern;
Sie essen gern, sie trinken gern,
Sie essen, trinken, und bezahlen nicht gern",
heißt es im Gedicht "Epiphanias-Fest" unseres Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe. Neben dem Sternsingen erinnert heute noch das Krippenbrauchtum an die heiligen Männer, die aus dem Osten kamen, um in Bethlehem das neugeborene Christuskind anzubeten. Benannt wurde der Tag nach eben diesen Heiligen (die übrigens offiziell nie heilig gesprochen wurden) Caspar, Melchior und Balthasar.
Am 6. Januar gehen die so genannten "Zwölften" oder Rauhnächte zu Ende, die Tage ab Heiligabend. Es gibt eine Menge Aberglauben dazu (keine Wäsche waschen!) und in der Sagenwelt gilt die Nacht auf den 6. Januar als Zauber-, Wunder und Erlösungsnacht.
Auch wenn heutzutage kaum ein Mensch mehr das Königsspiel spielt, das Bohnenfest feiert, das Bohnenlied singt und einen Königskuchen backt: Das Dreikönigsfest hat sich zum Beispiel im Rheinland erhalten, und es ist noch immer die Wendemarke von der Weihnachts- zur Fastnachtszeit - der fünften, in Liturgie und Kalender nicht vorgesehenen Jahreszeit.
Die meisten werden schon einmal vom "Dreikönigskuchen" gehört oder auch gekostet haben, in den kleine Figuren oder Münzen eingebacken worden sind. Ursprünglich wurden in das süße Hefegebäck Bohnen eingebacken - in den "echten" Dreikönigskuchen natürlich auch heute noch.
Jedenfalls ist bei allen Versionen immer eine Bohne das wichtigste gewesen. So soll bereits in der Antike dieserart der Saatengott Saturn geehrt worden sein. Wer die "Glücksbohne" dann in seinem Kuchenstück fand, wurde zum Bohnenkönig gekrönt. Der Bohnenkönig konnte bestimmen, was den lieben langen Tag gemacht wurde. Oft wurde dann den ganzen Tag ausgelassen gefeiert. Auf niederländischen Gemälden sind die mit Alkohol reichlich bedachten Bohnenfeste dokumentiert. Noch heute soll's ja in manchen Gegenden des Morgens am 6. Januar das "Stärkeantrinken" vom Greis bis zum Kleinkind geben...
Hier aber ein Rezept für den Dreikönigskuchen - ganz ohne Allohol, dafür aber mit Bohne:
Zutaten
500 g Mehl
20 g Hefe
½ TL abgeriebene Zitronenschale
4 EL Zucker
½ TL Salz
100 g weiche Butter
¼ l Milch
1 Ei
1 Eigelb zum Bestreichen sowie 80 g flüssige Butter
80 g Zitronat
80 g Sultaninen
50 g gehackte Mandeln
BOHNE nicht vergessen!
Zubereitung
Einen Hefeteig aus allen Zutaten kneten (außer Zitronat, Sultaninen, Mandeln, Bohne) und an einem warmen Ort gehen lassen. Die restlichen Zutaten darunter mengen und wieder gehen lassen. Dann daraus 9 oder 7 Kugeln formen, eine in die Mitte einer gefetteten Springform setzen, die anderen alle drumherum. Wieder gehen lassen. In eins der Kullerchen die Bohne stecken. Es können auch drei Bohnen sein: Eine weiße für Caspar, eine graue für Melchior und eine schwarze für den Mohren Balthasar. Dann gibt's eben drei Bohnenkönige!
Nachdem der Teig etwa auf die doppelte Menge aufgegangen ist, eine halbe Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Mit Eigelb bestreichen und in etwa 45 Minuten bei Mittelhitze backen. Aus der Form nehmen und mit flüssiger Butter bestreichen. Wer mag, kann auch noch ein paar Mandelblättchen darüber streuen.
PS. Natürlich kennen auch die Spanier und die Franzosen den Kuchen zum katholischen Feiertag, und selbstverständlich sind deren Varianten um vieles feiner als die unsrigen. In Frankreich wird die "Galette des Rois" serviert, mit lecker Mandelcreme oder herzhafter Schinken-Füllung. In Spanien gilt der "Roscon de Reyes" als typischer Nachtisch mit Überraschung am Dreikönigstag. Aber Achtung: Wer hier die Bohne findet, hat die "A...karte" gezogen: Er muss den Königs-Kranz bezahlen.
Viel Spaß beim Suchen wünscht Heidi Driesner