Panorama

Saison im Himalaya wohl gelaufen Everest-Expeditionen bauen Zelte ab

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Die Zelte aus dem Basislager sollen abgebaut werden. Die für den Aufstieg der Touristen unverzichtbaren Sherpas wollen aus Respekt vor den Toten in diesem Jahr nicht mehr auf den Gipfel.

(Foto: Reuters)

Die nepalesischen Bergsteiger machen Ernst und bauen die Zelte am Fuß des Mount Everest ab. Hunderte zahlungskräftige Touristen müssen sich damit abfinden. Für Nepals Bergsteigerverband ist die Situation kritisch - die lukrative Saison dauert ja nur wenige Wochen.

Fünf Tage nach dem Lawinenunglück a m Mount Everest mit 16 Toten brechen zahlreiche internationale Expeditionen ihren Aufstieg ab. Etwa die Hälfte der Gruppen packe zusammen, berichten Sherpas aus dem Basislager. Manche der Bergführer müssten allerdings noch mit ihren Auftraggebern verhandeln, die gegen den Abbruch seien. Die nepalesischen Bergführer sind für die meisten Tourengeher unerlässlich, da sie die Routen anlegen, Sauerstoffflaschen tragen, Zelte aufbauen und kochen.

Für manche Bergtouristen ist das ein Problem. Sie haben viel Geld bezahlt und bestehen nun auf ihrem Aufstieg. Die Situation im Lager soll sehr angespannt sein, weil die Sherpas wiederum erwarten, dass die Bergsteiger aus aller Welt sich rücksichtsvoll verhalten und in dieser Saison keinen Gipfelversuch mehr unternehmen. Ein weiteres Problem ist die ungewöhnlich große Lawinengefahr. Alle 16 Tote waren Nepalesen, bislang wurden 13 Leichen geborgen.

In einigen Tagen soll das Lager abgebaut sein

Die nepalesische Regierung, für die die großen Expeditionen aus aller Welt eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes sind, will den Rückzug aller Expeditionen noch abwenden. Der Tourismusminister und Vertreter von zahlreichen Bergsteigergruppen wollen an diesem Donnerstag ins Basislager fliegen, um die Sherpas umzustimmen. Die meisten Sherpas im Lager scheinen jedoch entschlossen und wollen aus Respekt für die Toten nicht aufsteigen.

Zahlreiche Zelte im Basislager sind bereit s abgebaut und verpackt. Helikopter fliegen, wenn es das Wetter erlaubt, das Material vom Berg. Mehrere Sherpas sagten, sie würden noch einige Tage brauchen, bis alles weggeräumt sei. Zu den Umkehrern gehört auch einer, der als erster Mensch mit einem Wingsuit vom höchsten Berg der Welt springen wollte. Die Expedition Adventure Consultants aus Neuseeland erklärte auf ihrer Homepage, alle Teilnehmer trauerten um die drei getöteten Teammitglieder und sagten das Vorhaben deswegen ab. Das Team von Alpine Ascents schrieb online: "Wir stimmten alle darüber ein, nicht weiter zu klettern, so dass alle den Verlust von Familienmitgliedern, Freunden und Kameraden in dieser noch nie dagewesenen Tragödie betrauern können."

Everest-Touristen zahlen Tausend Euro

Die ethnische Gemeinde der Sherpas, die für ihre Fähigkeiten in den Bergen bekannt ist, wurde von dem Unglück tief getroffen. Viele Sherpas trauern und leiden, sind aber gleichzeitig auch besorgt über die Zukunft des Tourismus. Der Bergsteigerverband Nepals erklärte in der Hauptstadt Kathmandu, während oben schon gepackt wurde, dass kein einziger Sherpa seine Expedition im Stich gelassen habe. "Es wird nur ein bisschen Zeit brauchen, bis wir zu einer normalen Situation zurückkehren", ließ der Verbandspräsident erklären.

Im April und Mai ist Hauptsaison am Everest, denn dann ist das Wetter am besten für den Aufstieg geeignet. Rund 350 Bergsteiger aus aller Welt hatten vor dem Lawinenunglück am Everest darauf gewartet, dass sie sich akklimatisieren und die Fixseile und Leitern gelegt werden. Sie zahlen normalerweise nicht nur Tausende Euro pro Person an Gebühren, sondern oft weitere Zehntausende Euro für die Organisation der Expeditionen, Bergführer, Träger, Köche, Helfer, Ausrüstung.

Der Summit Club, die kommerzielle Tochter des Deutschen Alpenvereins, plant im kommenden Jahr ebenfalls eine Expedition auf den Everest. Allerdings werde man von Norden, von chinesischer Seite aus aufsteigen, erklärte der Chefbergführer der Organisation. Der Hauptgrund: Die Route durch den Khumbu-Eisbruch sei zu gefährlich.

Quelle: n-tv.de, nsc/dpa