Panorama

Ende eines Unglückstankers Exxon Valdez wird abgewrackt

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Alaska im März 1989: Ein Kapitän schrammt unter zweifelhaften Umständen über ein Riff, rund 40.000 Tonnen Rohöl fließen ins Meer.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es ist das unrühmliche Ende einer langen Geschichte: Der Rohöltanker, dessen Name für eine der größten Umweltkatastrophen in der Geschichte der USA steht, wird in einer Spezialwerft in Indien zerlegt und verschrottet. Lokale Umweltschützer protestieren - vergeblich.

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Übermalt mit neuem Namen: Der Unglückstanker auf Reede vor der Alang-Werft im indischen Bundesstaat Gujarat.

(Foto: AP)

Rund 23 Jahre nach der Umweltkatastrophe mit dem Rohöltanker "Exxon Valdez" vor der Küste Alaskas wird das zwischenzeitlich mehrmals umbenannte Schiff in einer Spezialwerft an der indischen Küste endgültig zerlegt und abgewrackt.

Unter dem Namen "Exxon Valdez" schrieb der Tanker Geschichte: Bis zum Untergang der BP-Plattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko galt die Havarie im Prinz-William-Sund als bis dato verheerendste Ölpest vor den Küsten der USA.

Die Verschrottung des berüchtigten Schiffes stieß in Indien auf Widerstand: Der Oberste Gerichtshof des Landes wies die Klage einer örtlichen Umweltschutzorganisation gegen das Vorhaben zu Wochenbeginn ab. Die Naturschützer argumentierten, das riesige Schiff sei mit Asbest und Schwermetallen belastet und dürfe wegen der großen ökologischen Gefahr nicht ins Land gelassen werden.

Das indische Abwrackunternehmen Best Oasis hatte die "Exxon Valdez" Inder kaufen "Exxon Valdez" . Zum Preis oder weiteren Einzelheiten machte die Firma im westindischen Alang keine Angaben. Die Stadt im Bundesstaat Gujarat gilt als einer der weltgrößten Schiffsfriedhöfe.

Schmutzige Seiten der Globalisierung

In den vergangenen Jahren hatten Berichte über die teils lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen in Abwrackwerften an den Küsten des indischen Subkontinents auch im Westen für erhebliches Aufsehen gesorgt. Besonders die Praxis der Branche, Schiffe aller Größen in Einrichtungen wie der Abwrackzone am Strand nahe der Metropole Chittagong in Bangladesch ihrer endgültigen Verwertung zuzuführen, wird von Arbeitsrechtlern und Umweltschutzexperten gleichermaßen kritisiert.

In den Anlagen von Chittagong kommt es Berichten zufolge immer wieder zu tödlichen Unfällen. Die Schiffe werden bei Springflut ans sandige Ufer gezogen, wo sie Arbeiter mit Hämmern, Hebeln und Schweißgeräten Stück für Stück zerlegen. Träger müssen teils barfuß und bar jeglicher Schutzausrüstung durch scharfkantige Überreste der Frachtschiffe waten. Die Belastungen mit Schwermetallen, Ölrückständen, Gefahrgütern und anderen gefährlichen Stoffen, die bei der Verschrottung von teils jahrezehntealten Schiffen anfallen können, werden so gut wie überhaupt nicht kontrolliert.

Riskanter Warentransport

Die "Exxon Valdez" war am 24. März 1989 im Prinz-William-Sund im Süden Alaskas auf ein Riff gelaufen und hatte rund 40.000 Tonnen Rohöl verloren. Küstengewässer und Küste wurden verseucht. Hunderttausende Tiere verendeten. Das Unglück gilt als eine der schlimmsten Ölkatastrophen weltweit. Die Aufräumarbeiten vor Ort und der Prozess um die Schuldfrage dauerten Jahre. In seiner aktiven Zeit fuhr der Tanker seinen Eignern - vor und nach der Katastrophe - verlässliche Gewinne ein.

Die umweltgerechte und sozial verantwortbare Verschrottung von Schiffskapazitäten ist international derzeit nur ansatzweise geregelt. Auf europäischer Ebene laufen derzeit noch Vorbereitungen für verbindlichere Vorschriften. Die Zeit drängt: Nach Angaben der EU-Kommission bewegt sich allein die Zahl der weltweit zur Verschrottung anstehenden hochseetauglichen Tanker und Frachtschiffe in einer Größenordnung von etwa 1000 Einheiten - pro Jahr.

Ein positiver Aspekt lässt sich der Geschichte des "Exxon Valdez", einem umgebauten Schüttgutfrachter, doch noch abgewinnen: Katastrophen wie die Ölpest vor Alaska führten dazu, dass sich verbesserte sicherheitstechnische Vorschriften im internationalen Seeverkehr durchgesetzt werden konnten. So dürfen zum Beispiel veraltete Tanker ohne Doppelrumpfhülle viele Küstengewässer überhaupt nicht mehr ansteuern.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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