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Dutzende Todesurteile falsch? FBI gesteht massive Ermittlungsfehler ein

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Der Staat soll das Töten beenden, fordert dieser Aktivist. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 35 Menschen in den USA hingerichtet.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es kann in jedem Land passieren, dass Unschuldige verurteilt werden. Doch was in den USA geschehen ist, hatte System. Das FBI räumt massive Mängel bei der Ermittlungsarbeit ein. Dutzende Todeskandidaten hoffen nun auf Gerechtigkeit.

In den USA sind womöglich Dutzende ungerechtfertigte Todesurteile verhängt worden. Schuld ist das FBI: Die US-Bundespolizei gesteht Fehler bei der Erstellung von wissenschaftlichen Gutachten ein, die mit zur Verhängung der Todesstrafe führten. FBI-Mitarbeiter hätten bei der Analyse von Haaren unter dem Mikroskop und bei der Erstellung von Laborberichten Fehler gemacht, erklärte die Behörde.

Sie reagierte damit auf einen Bericht der Generalinspektion (OIG) des Justizministeriums vom Juli, dem zufolge mindestens 60 Todesurteile auf fehlerhaften wissenschaftlichen Gutachten oder zweifelhaften Zeugenaussagen basiert haben könnten. Drei der Verurteilten wurden demnach bereits hingerichtet.

Insgesamt wurden in den USA laut Amnesty International im vergangenen Jahr 35 Menschen hingerichtet. Justizirrtümer sind schon mehrfach aufgeklärt worden. Amnesty zufolge wurde seit 1973 mehr als 140 zum Tode verurteilten Gefangene entlassen, nachdem ihre Unschuld anerkannt wurde - eine davon war die in Berlin geborene Debra Milke.

Probleme schon seit 1997 bekannt

Das FBI versicherte nun, diese Fehler würden künftig vermieden. Zusätzlich zur Analyse von Haaren unter dem Mikroskop werde eine DNA-Analyse vorgenommen. Das Justizministerium und das FBI würden sich verpflichten, künftig größtmögliche Genauigkeit bei Haaranalysen und anderen Analysen zu gewährleisten. Dafür würden "bedeutende Mittel" aufgewandt werden.

Die betroffenen Todeskandidaten würden über die erfolgten Fehler informiert, und es werde dafür gesorgt, dass ihnen Gerechtigkeit widerfahre, hieß es in der FBI-Mitteilung. Die Generalinspektion hatte bereits 1997 in einem Bericht auf schwere Fehler bei Analysen aus einem FBI-Labor hingewiesen. In dem neuen Bericht kritisierte die Generalinspektion nun, dass das FBI daraus nicht die nötigen Lehren gezogen habe.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP