Panorama

Machetenhiebe auf den Kopf Fanatiker erschlagen Religionskritiker

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Dhaka im Mai 2013: Kundgebung für verschärfte Blasphemie-Gesetze schlagen in Gewalt um.

(Foto: REUTERS)

In Bangladesch erschüttert ein Ausbruch religiöser Intoleranz die Öffentlichkeit: Ein bekennender Freigeist fällt einem brutalen Mordanschlag zum Opfer. Seine Frau kann die Täter nicht aufhalten. Sie verliert bei dem Attentat einen Finger.

Brutaler Überfall auf offener Straße: Ein prominenter atheistischer Blogger ist in Bangladesch von Unbekannten ermordet worden. Avijit Roy sei bei der Rückkehr von einer Buchmesse in der Hauptstadt Dhaka mit Macheten angegriffen worden und habe tödliche Kopfverletzungen erlitten, teilte die Polizei mit.

Seine Ehefrau Rafida Ahmed sei bei dem Angriff schwer verletzt worden. Sie verlor den Angaben zufolge einen Finger. Offenbar hatte sie versucht, die Hiebe der Attentäter mit bloßen Händen abzuwehren. Sie wurde mit einem schweren Schock ins Krankenhaus eingeliefert.

Erste Bilder vom Tatort zeigen sie blutüberströmt auf dem Gehweg sitzen - direkt neben dem leblosen Körper ihres Mannes. Roy, der die US-Staatsbürgerschaft besitzt, war der Gründer des Blogs Mukto-Mona, das sich in dem mehrheitlich muslimischen Land kritisch mit dem Islam auseinandersetzte.

Ein "säkularer Humanist"

Der Vater des Bloggers, Ajoy Roy, sagte der Nachrichtenagentur AFP, sein Sohn habe eine Reihe von "Drohbotschaften" erhalten. Er sei ein "säkularer Humanist" gewesen und habe mehrere Bücher zu diesem Thema geschrieben, darunter "Biswasher Virus" (Das Virus des Glaubens).

Imran H. Sarker von einer Blogger-Vereinigung nannte den Angriff "empörend" und äußerte sich besorgt über die Sicherheit von Bloggern in Bangladesch. Pinaki Bhattacharya, ein Blogger und Freund des Mordopfers, schrieb in einer Mitteilung, in Bangladesch seien Atheisten "das einfachste Ziel". Sie könnten straflos angegriffen und ermordet werden. Im Internet wurden umgehend Vergleiche zu den Anschlägen auf das Pariser Satiremagazin "Charlie Hebdo" gezogen.

Der Zorn der Islamisten

Im Jahr 2013 war in Bangladesch bereits der atheistische Blogger Ahmed Rajib Haider von einer kleinen Islamistengruppe ermordet worden. Sein Tod hatte damals zehntausende Menschen zu Protesten auf die Straße getrieben. Zugleich forderten aber radikale Islamisten, atheistische Blogger wegen Gotteslästerung hinzurichten.

Der Druck der Straße ist große: Die säkulare Regierung unter Ministerpräsidentin Sheikh Hasina ließ daraufhin vier Blogger festnehmen und ein dutzend Websites und Blogs blockieren, um dem Zorn der Islamisten zu begegnen. Zugleich verstärkte sie die Sicherheitsvorkehrungen für die Blogger.

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Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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