Panorama
Im Heck der Maschine starben mindestens fünf Passagiere.
Im Heck der Maschine starben mindestens fünf Passagiere.(Foto: REUTERS)
Montag, 11. Juli 2011

Dramatische Notwasserung in Sibirien: Flugzeug zerschellt auf dem Ob

Es ist der Alptraum jedes Sibirienfliegers: Beim Flug über die Wildnis geht ein Triebwerk in Flammen auf. Die Maschine verliert schnell an Höhe, der nächste Flughafen ist zu weit entfernt. Um die Passagiere zu retten, wagt der Pilot eine Notwasserung auf dem Fluss - mit dramatischen Folgen.

Bei der spektakulären Notlandung eines russischen Passagierflugzeugs auf dem westsibirischen Fluss Ob sind 6 Menschen getötet und mehr als 25 verletzt worden. Der russische Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu teilte nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax mit, nach dem Unglück würden zudem mindestens zwei Menschen vermisst und mehrere Verletzte behandelt. Russische Behörden hatten zunächst von sieben Toten gesprochen und ihre Angaben später korrigiert.

Helfer suchen an der Unglückstelle nach Opfern: Für die An-24 war die Landung zu hart.
Helfer suchen an der Unglückstelle nach Opfern: Für die An-24 war die Landung zu hart.(Foto: REUTERS)

Die Unglücksmaschine vom Typ Antonow 24 (An-24) sei den Angaben zufolge auf ihrem Flug nach Surgut unterwegs gewesen, als der Pilot über Funk Probleme ankündigte. Wegen eines brennenden Triebwerks habe sich die Besatzung zur Notwasserung entschieden, sagte ein Sprecher der russischen Luftfahrtbehörde Rosawiazia. Dem Pilot blieb in der waldreichen Region nordwestlich von Tomsk offenbar keine andere Möglichkeit, als die riskante Notlandung im Fluss zu versuchen.

Anders als bei der spektakulären Notlandung vor zwei Jahren auf dem Hudson - dem viel beachteten "Wunder von New York" aus dem Januar 2009 - hatten Piloten und Passagiere an Bord der An-24 weniger Glück. Der Rumpf der Antonow hielt den heftigen Belastungen beim Aufprall auf dem Wasser nicht stand. Kurz bevor die Maschine zum Stillstand kam, riss das Heck des Propellerflugzeugs ab, Wasser drang in die Kabine ein.

Laut Schoigu überlebten etwa 30 Insassen das Unglück. Allerdings seien einige von ihnen schwer verletzt. Von Seiten der Rettungskräften vor Ort verlautete laut Interfax, 26 Menschen seien ins Krankenhaus gebracht worden.

Weite Wege für die Helfer

Der Pilot hatte offenbar versucht, in Ufernähe zu landen, um den Passagieren die Flucht an Land zu ermöglichen. Das Wrack des Flugzeugs blieb anschließend auf einer Sandbank im Fluss liegen.

Rettungskräfte wurden mit Hubschraubern in die schwer zugängliche Region geflogen. Das Kurzstreckenflugzeug der Fluggesellschaft Angara war auf dem Weg von Tomsk in die westsibirische Stadt Surgut.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder tödliche Unfälle mit An-24-Flugzeugen. Von dem zweimotorigen Propellerflugzeug An-24 wurden seit dessen Inbetriebnahme Anfang der 1960er Jahre in der Sowjetunion bis zum Ende der Produktion im Jahr 1979 mehr als tausend Exemplare gefertigt.

Mehrere hundert dieser Maschinen sind nach wie vor im Einsatz, unter anderem in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion und in Afrika.

Kremlchef Dmitri Medwedew ordnete nach der Bruchlandung auf dem Ob an, alle alten Flugzeuge des Typs zu prüfen und auszumustern.

Regionalflug von Tomsk nach Surgut: In den Weiten Russlands sind Regionalflieger die schnellste Verbindung.
Regionalflug von Tomsk nach Surgut: In den Weiten Russlands sind Regionalflieger die schnellste Verbindung.
Bilderserie

Quelle: n-tv.de