Panorama

Ein Jahr zum 200. GeburtstagFritz Reuter wird gefeiert

05.11.2009, 11:25 Uhr

Er gilt als einer der bekanntesten niederdeutschen Dichter des 19. Jahrhunderts: Fritz Reuter. Sein 200. Geburtstag wird dementsprechend würdig begangen.

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Der niederdeutsche Dichter heißt mit vollem Namen Heinrich Ludwig Christian Friedrich (Fritz) Reuter. (Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Er hat Denkmäler in Chicago, Jena und Stavenhagen, nach ihm sind Straßen in fast jeder deutschen Stadt benannt, und er gilt als einer der bekanntesten deutschen Dichter des 19. Jahrhunderts: Fritz Reuter (1810-1874). Von diesem Samstag an wird vor allem in Norddeutschland in zahlreichen Veranstaltungen ein Jahr lang der 200. Geburtstag des niederdeutschen Autors gefeiert, der am 7. November 1810 in Stavenhagen geboren wurde.

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Reuters bekanntestes Porträtbild sowie sein Doktordiplom befinden sich im Literaturmuseum von Stavenhagen. (Foto: picture-alliance/ ZB)

"Reuter eignet sich auch für aktuelle Fragestellungen", sagt Christian Bunners, Vizepräsident der Fritz-Reuter- Literaturgesellschaft. So habe der Dichter schon damals in seinen Werken von der "Raffigkeit als Wurzel des Übels unter Menschen" gesprochen: "Das lässt sich auch auf die Finanzkrise übertragen."

Die Reuter-Gesellschaft ist neben dem bundesweit größten Reuter-Literaturmuseum in Stavenhagen (Mecklenburg-Vorpommern) und dem Förderverein der Reuter-Museen einer der Hauptveranstalter des umfangreichen Festplans. Die Palette der Veranstaltungen reicht von einer wissenschaftlichen Tagung zu aktuellen Themen über eine Mammut- Lesung, bei der Reuters Hauptwerk "Ut mine Stromtid" komplett vorgetragen werden soll, bis zu einer Wanderausstellung, die auch in Berlin und Schleswig-Holstein zu sehen sein soll. "Wir werden dieses Jahr mal richtig reutern", heißt es auch an der philologischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin.

Meistgelesener Dichter seiner Zeit

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Auf dem Marktplatz von Stavenhagen blickt der "größte Sohn" der Stadt in doppelter Lebensgröße auf das Treiben. (Foto: picture-alliance/ ZB)

Dabei hat es der Mecklenburger seiner Familie und seinen Zeitgenossen nicht einfach gemacht. Nach der Rebellion im Studium, unter anderem in Jena - wo noch ein Denkmal an ihn erinnert - saß Reuter sieben Jahre in Haft, verfiel später dem Alkohol, entzweite sich mit seinem Vater und fing sich erst als 32-Jähriger langsam wieder. Damals lernte er als "Strom" (Volontär) auf einem Gutshof in Demzin, wenige Kilometer von Stavenhagen entfernt. Der Gutspächter war mit einem benachbarten Pastor befreundet, dort lernte Reuter das Hausmädchen Louise kennen, heiratete 1851 und begann zu schreiben.

"Er gehört zu den meistgelesenen Dichtern seiner Zeit, allein der Hinstorff-Verlag hat bis 1904 mehr als 2,5 Millionen Bände seiner etwa zwölf Werke verkauft", erklärt Cornelia Nenz, Leiterin des Museums in Reuters Geburtshaus in Stavenhagen. Am meisten schrieb der Dichter, als er in Neubrandenburg und später in Eisenach wohnte, wo auch heute noch ein Museum an ihn erinnert.

Da über den Autor selbst schon viel bekannt ist, hat sich Nenz vorgenommen, die Rolle seiner Frau stärker zu beleuchten: "Sie ist in der Forschung bisher schlecht weggekommen, meist hat man Louise alle die Entscheidungen untergeschoben, die man bei Reuter nicht haben wollte." Ein Beispiel sei die große Villa, die sich Reuter in Eisenach geleistet hatte. Diese habe in der DDR nicht ins Bild des bescheidenen Dichters gepasst, der den Herrschenden den Spiegel vorhält und selbst lieber in einer Kate zu wohnen hatte.

Quelle: Winfried Wagner, dpa