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Keime könnten Todesursache sein Frühchen stirbt in Marburg

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(Archivbild)

(Foto: picture alliance / dpa)

Es ist ein Tod, der Fragen aufwirft: In Marburg ist ein zu früh geborenes Baby gestorben, das mit Darmkeimen infiziert war. Nun ist die Frage, ob sich das Kind im Krankenhaus infiziert hat - wie jährlich Hunderttausende Menschen.

Ein mit einem Keim infiziertes Frühchen ist an der Universitätsklinik in Marburg gestorben. Die genaue Todesursache sei allerdings unklar, teilte die Klinik mit. Es handelt sich um ein extrem früh geborenes Zwillingskind mit einem Geburtsgewicht unter 500 Gramm. Auch bei dem Geschwisterkind sei der Keim nachgewiesen worden, das zweite Kind lebt aber.

Nach Angaben der Klinik handelt es sich bei dem Erreger um einen weit verbreiteten, nicht meldepflichtigen Darmkeim. Wie sich die beiden Babys ansteckten, sei noch unklar, teilte die Klinik mit. Der Keim wurde bei den anderen Kindern der Station nicht nachgewiesen.

Immer wieder warnen Experten vor den zunehmenden Gefahren durch Krankenhauskeime. Der Berufsverband der Deutschen Chirurgen forderte noch im Februar schärfere Gesetze im Kampf gegen multiresistente Keime. "Das neue Infektionsschutzgesetz reicht nicht aus, Herr des Problems zu werden", teilte der Verband mit. Wichtig sei, bereits bei der Entstehung der Keime anzusetzen und nicht erst im Krankenhaus zu handeln.

22.000 Tote jährlich

Den Angaben zufolge infizieren sich in Deutschland jährlich etwa 600.000 Menschen mit diesen Erregern. Etwa 22.000 sterben daran. Das größte Risiko haben Kinder, weil sie ein noch nicht voll ausgebildetes Immunsystem haben, und Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem wie Alte oder Kranke.

"Infektionen, die durch sogenannte multiresistente Bakterien verursacht sind, sind nur noch durch wenige, im ungünstigen Fall gar keine Antibiotika mehr behandelbar", sagte Verbandsvizepräsidentin Julia Seifert. Die oft als Krankenhauskeime bezeichneten Erreger stammten selten aus den Kliniken selbst, sondern würden hineingeschleppt.

Für die Zunahme multiresistenter Keime gebe es mehrere Gründe: den vermehrten Antibiotika-Einsatz in der Tiermast und die Verunreinigung von importiertem Fleisch und Fisch. Auch Bauern und Tierärzte trügen die Erreger weiter. Touristen verbreiteten die Bakterien von Land zu Land. In vielen Ländern gelten nicht so strenge Hygiene-Vorschriften. Hinzu komme der laxe Umgang mit Antibiotika. In Italien und Griechenland etwa gäben Apotheken ohne Rezept Antibiotika heraus.

Der Verband fordert, dass die Zulassung von neuen Antibiotika vereinfacht wird. Lohnt sich die Entwicklung neuer Medikamente aus betriebswirtschaftlichen Gründen für die Pharma-Industrie nicht mehr, müssten Staat und Industrie diese Aufgabe gemeinsam übernehmen.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa

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