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Tröpfchenweise kommt die Wahrheit Fukushima-GAU noch schlimmer

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Eigentlich überflüssig: Warnung vor radioaktiver Strahlung am Reaktor 3 in Fukushima.

(Foto: dpa)

Die japanische Regierung räumt jetzt ein, was Experten schon lange vermuten: Bei der Kernschmelze in den Reaktoren 1, 2 und 3 frisst sich der Brennstoff offenbar durch den Boden der Reaktorbehälter. Genaue Untersuchungen können noch immer nicht vorgenommen werden.

Bei der Atomkatastrophe in Fukushima ist es offenbar zu einer so starken Kernschmelze gekommen, dass sich der Brennstoff durch die Reaktordruckbehälter gefressen hat. Die japanische Regierung stellte einen neuen Bericht über die Atomunfälle in dem Kernkraftwerk vor, den sie der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) übermitteln will.

Es dauere sehr lange, einen Unfall dieser Tragweite zu analysieren, sagte Goshi Hosono, Berater von Regierungschef Naoto Kan, in Tokio. "Wir haben aber entschieden, der internationalen Gemeinschaft mitzuteilen, was wir bis jetzt wissen." Nur so könne das verlorene Vertrauen in Japan wiedergewonnen werden.

Dem Bericht zufolge fand in den Reaktoren 1, 2 und 3 der Anlage eine Kernschmelze statt. Es sei zudem "möglich", dass der Brennstoff durch den inneren Reaktorbehälter hindurch auf den Boden des äußeren Sicherheitsbehälters getropft ist. Genaue Untersuchungen im Inneren der beschädigten Reaktorgebäude seien noch immer unmöglich.

Rettungsarbeiten kaum möglich

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Die Arbeiten dürfen eigentlich nur kurz in der Anlage verweilen, dann haben sie den zulässigen Grenzwert erreicht.

(Foto: dpa)

Obwohl die maximal erlaubte Strahlendosis von der japanischen Regierung jüngst von 100 auf 250 mSv pro Jahr erhöht wurde, würde ein Arbeiter bei der Anfang Juni gemessenen Strahlung im hochkontaminierten Bereich des Reaktors 1 nach nur vier Minuten den Grenzwert erreichen, berichtete Greenpeace. Praktisch heißt das, dass dort Arbeiten zur Eindämmung der Katastrophe kaum möglich sind.

Der Betreiber der Anlage, Tepco, hatte unlängst eingestanden, dass eine teilweise oder komplette Kernschmelze in einigen Reaktoren stattfand, von einer Durchschmelze sprach der Konzern aber nicht. Dies hatten allerdings Atomexperten schon längst vermutet. Grund dafür seien die vollgelaufenen Keller unter den Reaktoren. "Wie sonst hätte das Kühlwasser dorthin gelangen können", fragte der Energieexperte von Greenpeace, Christoph von Lieven.

Japan war schlecht vorbereitet

Die Regierung entschuldigt sich in ihrem Bericht für die Atomkatastrophe und gesteht ein, dass Japan auf solch einen schlimmen Unfall nicht vorbereitet war. Die IAEA war kürzlich zu der Feststellung gelangt, dass Japan die Risiken der Atomkatastrophe und deren Folgen unterschätzte. Japan kündigte nun Reformen bei seiner Atomsicherheit an. So soll etwa Japans Behörde für nukleare Sicherheit vom Industrie- und Handelsministerium abgekoppelt werden, dem sie derzeit untersteht. Die IAEA hatte die fehlende Unabhängigkeit der Aufsichtsbehörde bereits kritisiert.

Quelle: n-tv.de, dpa

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