Panorama
Montag, 21. Januar 2008

"Es war Eiter drin": Gammelfleisch zu Wurst

Ein Betrieb im niedersächsischen Lohne soll tonnenweise stinkende und vergammelte Schweineköpfe zu Wurst verarbeitet haben. Nach einem ARD-Bericht sollen in dem Betrieb seit März 2007 wöchentlich rund vier Tonnen stark stinkende, verschimmelte und vereiterte Schweineköpfe für die Wurstproduktion zerlegt worden sein. Das Gammelfleisch sei mit genießbarem Fleisch gemischt und an Wurstproduzenten in Deutschland, Rumänien und Russland verkauft worden. Polizei und Staatsanwaltschaft hätten den Betrieb am Sonntagabend durchsucht.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigte, dass gegen drei Verantwortliche des Betriebes ermittelt wird. "Derzeitig schätzen wir die Aussagen als glaubhaft ein", sagte die Sprecherin. "Das war Anlass genug, in den Betrieb reinzugehen und ihn zu durchsuchen und weiter zu ermitteln."

Der Staatsanwaltschaft wurden nach eigenen Angaben eidesstattliche Versicherungen von fünf rumänischen Arbeitern zugeleitet, die bis Anfang Januar in dem Betrieb gearbeitet hatten. Danach kamen seit März 2007 jeweils am Wochenende große Mengen verdorbene Schweineköpfe an. Die Arbeiter hätten das Fleisch von den Köpfen gelöst und weiterverarbeitet. "Es war Eiter drin. Sie stanken ganz schlimm", sagte einer der Arbeiter dem Fernsehbericht zufolge. "Man konnte nicht danebenstehen und arbeiten. Ich habe mich auch übergeben."

Die Arbeiter, die mit dem Betrieb zivilrechtliche Streitigkeiten haben, wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft inzwischen als Zeugen vernommen. Bei der Durchsuchung sei kein verdorbenes Fleisch gefunden worden. Am Montag wurden aus einem Kühlhaus Fleischproben aus Lohne entnommen. Die Untersuchungen dauern an.

Gammelfleisch-Funde hatten deutschen Verbrauchern schon mehrfach den Appetit verdorben. So war im Sommer 2007 bekanntgeworden, dass eine Firma in Wertingen (Bayern) bis zu 180 Tonnen Schlachtabfälle an Berliner Lebensmittelfirmen geliefert hatte. 2006 war in München bei einem Großhändler tonnenweise Fleisch sichergestellt worden, darunter etliche Döner-Spieße. Die Haltbarkeitsdaten waren teils um vier Jahre überschritten. Der Hauptbeschuldigte nahm sich das Leben.

Das Bundeskabinett hat mittlerweile beschlossen, das Bußgeld für den Handel mit Ekelfleisch von 20.000 auf 50.000 Euro anzuheben. Außerdem soll es eine Meldepflicht für Unternehmer geben, denen vergammeltes oder gesundheitsschädliches Fleisch angeboten wird. Agrar- und Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) will außerdem, dass Schlachtabfälle eingefärbt werden und so leicht erkennbar sind.


Quelle: n-tv.de

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