Panorama
Sonntag, 18. Juni 2006

Menschenrechte in China: Gelähmter Dammgegner operiert

Der gelähmte chinesische Dammkritiker Fu Xiancai ist am Sonntag zwei Stunden lang operiert worden, um seine schwer verletzte Wirbelsäule zu stabilisieren. Die mit deutscher Hilfe ermöglichte Notoperation sei "erfolgreich verlaufen", berichtete der Sohn des Mannes. "Jedoch sind die Chancen, dass mein Vater wieder aufstehen kann, sehr gering", sagte der Sohn. Der chinesische Bauer war nach seiner Klage in einem ARD-Bericht über unzureichende Entschädigung nach der Umsiedlung für den Drei-Schluchten-Damm brutal zusammengeschlagen worden.

"Mit Hilfe wird er vielleicht eines Tages im Rollstuhl sitzen können", sagte der Sohn. Die Aussichten, dass seine Querschnittlähmung von den Schultern abwärts behoben werden könnte, seien jedoch schlecht, sagte der Sohn unter Hinweis auf die Ärzte im Krankenhaus von Yichang (Provinz Hubei). "Es ist der schwerste Fall in dem Hospital." Bei dem brutalen Angriff nach seinen Interview-Äußerungen in dem ARD-Bericht hatte sein Vater schwere Verletzungen der Halswirbel und eine Rückenmarkquetschung erlitten.

Das Hospital hatte sich lange geweigert, den Eingriff vorzunehmen, weil Fu Xiancai nicht zahlen konnte. Nach einer Intervention des Auswärtigen Amtes war der deutsche Botschaftsarzt aus Peking angereist und hatte ihm das nötige Geld gegeben. Es ging bei der Operation durch Doktor Du Yuanli aus Yichang und den Experten Liu Shiqing aus Wuhan um eine dringend erforderliche Stabilisierung der Wirbelsäule, um eine sonst lebensbedrohliche Situation abzuwenden und Fu Xiancai überhaupt transportfähig zu machen. "Das Risiko ist sehr groß", hatte sich der Sohn vor der Operation höchst besorgt gezeigt.

Da Fu Xiancai noch Fieber hatte, war bis zum Samstagabend noch ungewiss gewesen, ob überhaupt operiert werden konnte. Der Patient klagte vor der Operation in einem Telefongespräch mit der dpa: "Das Krankenhaus ist überfüllt. Ich kann nicht schlafen." Ungeachtet der ärztlichen Einschätzung, dass seine Lähmung irreversibel sein dürfte, zeigte sich Fu Xiancai immer wieder voller Hoffnung, dass er vielleicht eines Tages geheilt werden könnte. Er kann nur den Kopf bewegen und telefonieren, wenn ihm das Telefon ans Ohr gehalten wird.

Der seit Jahren gegen unzureichende Entschädigungen bei der Umsiedlung und Korruption kämpfende Bauer und seine Familie verdächtigen örtliche Stellen, hinter dem brutalen Angriff zu stecken und die Schläger geschickt zu haben. Er hatte schon häufig Drohungen bekommen, er solle seine Aktivitäten einstellen. Die Polizei hatte verhindert, dass der mit einer Vertreterin der deutschen Botschaft angereiste deutsche Regionalarzt ihn untersuchen durfte. Zumindest durften sie kurz miteinander sprechen. Auch konnte der deutsche Arzt die nötigen 60.000 Yuan (5.930 Euro) übergeben, berichtete Fu Xiancai. Die Behörden verhinderten eine Spendensammlung für seine ärztliche Behandlung.

Quelle: n-tv.de