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Prozess gegen "falschen Rockefeller" Gericht bestimmt Juroren

Er gab sich als britischer Aristokratensohn aus, als deutscher Eliteschüler und später als Rockefeller-Erbe. In Wirklichkeit stammt Christian Karl Gerhartsreiter aus Oberbayern. Jetzt steht der Hochstapler in Kalifornien vor Gericht. Er soll in den 80er Jahren seine Vermieter ermordet haben.

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Im Januar 2012 erscheint Gerhartsreiter bei einer Anhörung vor Gericht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit der Auswahl von Juroren hat in Kalifornien der Mordprozess gegen einen Deutschen begonnen, der sich in den USA als "Rockefeller" ausgegeben hatte. Knapp hundert Jury-Kandidaten seien im Gericht von Los Angeles erschienen, teilte eine Gerichtssprecherin mit. Anklage und Verteidigung würden aus diesem Pool zwölf Geschworene und vier Vertreter aussuchen. Die Auswahl der ersten Kandidaten wird am Freitag erwartet. Der Prozess gegen den 52-jährigen Christian Karl Gerhartsreiter könnte vier bis fünf Wochen dauern, hieß es.

Der gebürtige Bayer ist wegen Mordes an John Sohus im Jahr 1985 angeklagt. Die Leiche des damals verschwundenen Kaliforniers war neun Jahre später zufällig bei Bauarbeiten im Garten eines Hauses in San Marino bei Los Angeles gefunden worden. Gerhartsreiter lebte in den 1980er Jahren unter dem Namen Christopher Chichester als Austauschstudent in Kalifornien. Damals behauptete er, Sohn britischer Aristokraten zu sein. Er war Untermieter im Haus der Eltern von John Sohus und seiner Frau Linda. Von der Frau fehlt weiterhin jede Spur.

Der gebürtige Bayer war den Behörden 2008 aufgefallen, als er unter dem Namen "Clark Rockefeller" in Boston lebte. In einem dramatischen Sorgerechtsstreit hatte er seine damals siebenjährige Tochter entführt. Dafür erhielt er vier Jahre Haft. Gerhartsreiter hatte sich seit Anfang der 90er Jahre als Erbe eines Rockefeller-Cousins ausgegeben und eine vermögende Harvard-Absolventin geheiratet. Seine Lebensgeschichte lieferte das Vorbild für den  US-Fernsehfilm "Wer ist Clark Rockefeller?".   

Im März 2011 war Gerhartsreiter in Kalifornien wegen Mordes angeklagt worden, er plädierte auf "nicht schuldig". Seine Anwälte haben wiederholt darauf verwiesen, dass die Vorwürfe nur auf Indizien beruhen. Es wird erwartet, dass sie die verschwundene Ehefrau des Mordopfers als mögliche Täterin darstellen.

Quelle: n-tv.de, AFP

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