Panorama

Kunstaktion in Düsseldorf Gitarrenbaum soll Kulturen verbinden

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Genau 13 Gitarren hängen in jedem Baum.

dpa

208 Gitarren, verteilt auf 16 Baumkronen - das ergibt eine heitere Kunstaktion, die derzeit in Düsseldorf für Aufsehen sorgt. Das Ziel: Die Menschen sollen ins Gespräch kommen. Passt irgendwie zum bevorstehenden Song Contest.

Es sieht aus wie eine bestellte Aktion zum Eurovision Song Contest. Aber nein, damit haben die Gitarrenbäume nichts zu tun, sagt der Urheber der Aktion, Ökkes Yildirim. Im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk hat er exakt 208 Gitarren in die Äste von 16 Linden gehängt - als Frühlingsgruß, wie der 33-Jährige erklärt. Noch eine Woche lang werden die Musikinstrumente in den Kronen baumeln, bevor sie am 3. April wieder verschwinden sollen. Bis dahin dürften noch viele Leute ihre Köpfe nach oben recken. Und Yildirim wird eine Menge erklären müssen.

Mit einem heißen Tee und einer Zigarette in der Hand sitzt Yildirim - von Hauptberuf Kioskbesitzer - an einem Tisch vor seinem Büdchen. Aber einfach nur dazusitzen und die Sonne zu genießen - das klappt dieser Tage nicht. "Entschuldigung, darf ich Sie kurz stören?", fragt eine Frau, die zufällig vorbeikommt. Sie will wissen, was es mit den seltsamen Gitarrenbäumen auf sich hat. Die Frage wird ihm heute noch öfter gestellt.

Miteinander ins Gespräch kommen

Er sei türkischstämmiger Kurde, erzählt Yildirim, und bei Kurden gebe es zum Frühjahr das sogenannte Newroz-Fest, was so viel wie "neuer Tag" bedeute. Gefeiert wird es am 21. März. Seitdem hängen auch die Gitarren.

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Ökkes Yildirim, Büdchenbesitzer und Künstler, hat sich die Aktion ausgedacht.

(Foto: dpa)

Er wolle eine Brücke zwischen den Kulturen schlagen, erklärt Yildirim, der sich selbst als Künstler bezeichnet. Seine Aktion solle bewirken, dass Angehörige unterschiedlicher Kulturen miteinander ins Gespräch kommen. Dass Yildirim in jeder Baumkrone exakt 13 Gitarren befestigt hat, ist dabei kein Zufall. Die Zahl stehe für die zwölf Apostel und für Jesus, sagt er.

Und tatsächlich: Die Idee mit dem Dialog funktioniert. Leute, die Yildirim gar nicht persönlich kennen, bleiben stehen, klopfen ihm auf die Schulter. Immer wieder zücken Passanten die Kamera, um das surreale Bild festzuhalten. Von einer kommunikativen Atmosphäre spricht Andrea Stoltenberg, die ein paar Häuser weiter ein Café betreibt. Ganz Oberbilk - das Viertel hat in Düsseldorf einen eher schlechten Ruf - profitiere von den Gitarrenbäumen. "Alle haben ein Strahlen in den Augen", sagt sie.

Bis auf wenige Ausnahmen. Im ersten Stock eines Eckhauses lehnt sich eine Frau aufs Balkongeländer und blinzelt in die Morgensonne. Von "den Dingern im Baum", wie die 81-Jährige es formuliert, halte sie nichts. Eine Nachbarin kommt vorbei und weiß zu berichten, dass eine Gitarre schon geklaut worden sei.

"Ein Lied kann eine Brücke sein"

Ob sie wollen oder nicht: Auch bei den beiden Damen funktioniert die Aktion, denn sie sorgt für Gesprächsstoff. Und so erinnern die Gitarrenbäume erst recht an den Song Contest. Denn da gab es ja mal Joy Fleming, die beim Grand Prix 1975 für Deutschland "Ein Lied kann eine Brücke sein" trällerte.

Doch wenn Düsseldorf im Mai Austragungsort des Eurovision Song Contest ist, werden die Gitarren wohl längst wieder aus den Baumkronen an der Flügelstraße verschwunden sein. Die Genehmigung des städtischen Gartenamts ist auf zwei Wochen begrenzt. Für eine Verlängerung könnten vielleicht Vögel sorgen. Denn ein paar Piepmatze nisten bereits in den Gitarren - haben zumindest einige Bewohner der Straße beobachtet.

Quelle: n-tv.de, Michael Kieffer, dpa

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