Panorama
Stephanie zu Guttenberg sorgte kurzzeitig mit einer Fernsehsendung für Wirbel.
Stephanie zu Guttenberg sorgte kurzzeitig mit einer Fernsehsendung für Wirbel.
Samstag, 27. November 2010

Mangelnde Transparenz: Guttenbergs Verein nicht seriös?

Wer Hilfsorganisationen Geld spendet, spendet sein Vertrauen gleich mit. Darauf, dass die Verwaltungskosten nicht zu hoch und die Projekte sinnvoll sind. Die meisten Organisationen machen ihre Finanzdaten im eigenen Interesse daher öffentlich. Bei Stephanie zu Guttenbergs Kinderschutzverein ist das anders.

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) hat den Kinderschutzverein "Innocence in Danger" von Stephanie zu Guttenberg zu mehr Transparenz aufgefordert. "Eine gemeinnützige Organisation, die so in der Öffentlichkeit steht wie 'Innocence in Danger' und erkennbar um finanzielle öffentliche Unterstützung bittet, sollte der Öffentlichkeit auch aussagekräftige Finanzberichte zur Verfügung stellen", sagte DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke der "Frankfurter Rundschau". Dabei gehe es um eine "Basistransparenz". Das DZI beobachtet die Arbeit von Spendenorganisationen und vergibt die allgemein anerkannten Spendensiegel.

Solange Guttenbergs Verein seine Zahlen nicht offenlege, könne das DZI Spendern nicht empfehlen, der Organisation Geld zur Verfügung zu stellen. "Ich kann Spendern generell keine Organisation empfehlen, bei denen der Appell an Spender und die Bitte um Mittel nicht einhergehen mit der Bereitschaft, Finanzzahlen zu veröffentlichen", sagte Wilke. In diesen Fällen sollten die Bürger "lieber eine der vielen transparenten Organisationen bevorzugen". Die Präsidentin des Vereins, die Ehefrau von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), unterstützt auch die TV-Sendung "Tatort Internet" vor der Kamera. In der Sendung werden mutmaßliche Pädophile mit Hilfe von Lockvögeln entlarvt.

Andere Kinderschutzorganisationen kritisierten die Arbeit des Vereins. "In der praktischen Arbeit ist uns dieser Verein bislang nicht aufgefallen", sagte der Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz, Gerd Engels. "Dieser Verein lenkt von den wichtigen Problemen ab", kritisierte der Präsident des Deutschen Kinderschutzbunds, Heinz Hilgers. "Ich wüsste nicht, dass die eine einzige Beratungsstelle oder ein Kinderhaus hätten." Stattdessen konzentriere sich "Innocence in danger" allein auf Missbrauch im Internet. "Das sind sehr wenige Fälle im Jahr", sagt Hilgers. In der Familie und ihrem Umfeld würden hingegen bis zu 120.000 Kinder jährlich Opfer von Missbrauch.

Zahlen gehen nur ans Finanzamt

Der Verein wehrte sich gegen die Kritik: "Innocence in danger ist ein gemeinnütziger Verein, der wie jeder andere Verein in Deutschland einmal jährlich seine Zahlen dem Finanzamt vorlegt", sagte Julia von Weiler, Geschäftsführerin der deutschen Sektion. Zudem gebe der Verein in seinem Jahresbericht genau Auskunft über die durchgeführten Projekte. Zahlen und Daten über die Kosten für die Verwaltung, die Höhe der Spendeneinnahmen und die Kosten für die einzelnen Projekte finden sich in den Berichten jedoch nicht. Nach von Weilers Angaben hat die Organisation derzeit 2,5 Mitarbeiter und 9 ehrenamtliche Helfer. Die Gemeinnützigkeit sei zuletzt 2009 für fünf Jahre verliehen worden.

In einer Stellungnahme von Weilers wird hinsichtlich der inhaltlichen Arbeit des Vereins unter anderem auf die Organisation von "Kunstwochen für traumatisierte Kinder", die Erarbeitung von Präventionsstrategien bei der Nutzung des Internets und die Unterstützung einer Telefonhotline für hilfesuchende Eltern hingewiesen, die allerdings 14 Cent pro Minute bei Anrufen aus dem deutschen Festnetz kostet.

Quelle: n-tv.de