Panorama
Der Müll der Konsumgesellschaft war für HA Schult bereits ein Thema, als noch kaum einer darüber nachdachte.
Der Müll der Konsumgesellschaft war für HA Schult bereits ein Thema, als noch kaum einer darüber nachdachte.(Foto: Foto: Horst Ossinger/dpa)
Freitag, 24. November 2017

Öko-Art-Pionier: HA Schult macht aus Müll Kunst

Von Quirin Brunnmeier

Seit über 50 Jahren transformiert der Objekt- und Aktionskünstler HA Schult Konsumabfälle in Kunst. Müll ist dabei nicht nur Material, sondern thematisiert die gesellschaftliche Relevanz. Sein erfolgreichstes Projekt: die "Trash People".

Auf dem Roten Platz in Moskau, vor den Pyramiden von Gizeh, auf dem Matterhorn oder im ewigen Eis der Arktis: Die "Trash People", die wohl bekanntesten Skulpturen von HA Schult, werden seit 1996 an den unterschiedlichsten Orten der Welt gezeigt. Die insgesamt 1000 Figuren treten dabei oft in imposanten Gruppen auf und dominieren den jeweiligen Ort. Aus gefundenem Schrott gebaut sind sie für den Künstler ein Sinnbild für den Zustand dieser Erde und Ausdruck des Lebensthemas von HA Schult.

Seit 2007 wird der von ihm initiierte Öko-Globe als erster internationaler Umweltpreis an die Mobilitätsindustrie verliehen.
Seit 2007 wird der von ihm initiierte Öko-Globe als erster internationaler Umweltpreis an die Mobilitätsindustrie verliehen.

Als Hans-Jürgen Schult 1939 in Mecklenburg geboren, wächst HA Schult im zerstörten Berlin auf. Nach vielen Internatsbesuchen studiert er ab 1958 in Düsseldorf, um an der dortigen Kunstakademie zu studieren. In der Klasse des Informel-Vertreters Karl Otto Götz kommt er schnell mit neuen Entwicklungen in der Kunst in Berührung. Düsseldorf war für einige Jahre die Keimzelle der Moderne nach dem Zweiten Weltkrieg. Heute weltbekannte Künstler wie Gerhard Richter, Sigmar Polke oder Franz E. Walther studierten zeitgleich an der dortigen Akademie. Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker gründeten die Gruppe ZERO, deren Mitglieder radikale Konzepte und neuartige ästhetische Überlegungen ergründen wollten und heute fest in der Kunstgeschichte verankert sind.

Auch HA Schult wollte kein Künstler im herkömmlichen, klassischen Verständnis sein: "Ich wollte etwas bewegen, das weit über den Bilderrahmen hinausgeht. Und dann sah ich damals bereits die Müllberge der Wohlstandsgesellschaft am Horizont auftauchen" sagte er in einem Interview. Nach dem Studium zog es den jungen Künstler nach München, wo er sich zunächst der Realität des Künstlerlebens stellen musste. Für den rastlosen Künstler folgten Stationen in Köln, New York und Berlin.

Kritik an der konsumorientierten Pop-Art

Die Kunst von HA Schult ist die kritische Antwort auf die konsumorientierte Pop-Art. Beeinflusst von der aufkommenden Konsumwelt und der zunehmenden kommerziellen Werbung, greift er diese Themen in seinen Skulpturen, Bildkästen und Aktionen kritisch auf. Er verfolgt in seinem Ansatz das Ziel, die Kunst und das gesellschaftliche Leben wieder näher zueinander in Beziehung zu bringen. Der Künstler bezeichnet sich selbst als "Macher" und Befürworter eines neuen ökologischen Bewusstseins, einige sehen ihn als Pionier der "Öko-Kunst". Zweimal nimmt er schon in den 1970er-Jahren an der documenta in Kassel teil. Das wichtigste Material, das HA Schult für seine Angriffe gegen ein unbewegtes und eingrenzendes Kunst- und Weltverständnis verwendet, ist der Müll, den er selbstbewusst als Verweigerungs- und Provokationsmaterial in seiner Objektkunst und bei seinen Happenings einsetzt.

Das zeigen insbesondere seine "Trash People". Aus Material von Mülldeponien, mit Bauschaum in Form gebracht, bereisen diese mannshohen Figuren als mahnende Armee die Welt. Für Schult sind sie ein Sinnbild für den Zustand dieser Erde, die er als "Müll-Planet" beschreibt. Für den Künstler sind die Skulpturen "Asylanten unserer Konsumepoche". HA Schult zählt mit zu den ersten Künstlern, die das zunehmende ökologische Ungleichgewicht in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellten. Seine Arbeiten wurden auf allen Kontinenten gezeigt und sind in vielen namhaften Sammlungen vertreten. Er selbst bringt sein Weltbild lakonisch und fast religiös auf den Punkt: "Wir produzieren Müll, sind aus Müll geboren und werden wieder zu Müll".

HA Schult bei n-tv Art

Quelle: n-tv.de