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Kinderarzt mit dunklem Geheimnis Harry S. gesteht Missbrauch an 21 Jungen

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Harry S. hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. Ihm wurde schwerer sexueller Missbrauch von Kindern, Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Kinderpornografie vorgeworfen.

(Foto: dpa)

Im August 2014 sorgt die Entführung eines Fünfjährigen für Schlagzeilen. Eine Zeugin beobachtet Harry S., als dieser das verstörte Kind freilässt. Der Kinderarzt wird gefasst und die Ermittler kommen seinem dunklem Geheimnis auf die Spur.

Seine Kollegen beschreiben Harry S. als intelligent, beliebt und sehr engagiert. Doch der Schein trügt. Der heute 40-jährige Mann aus Augsburg ist keineswegs der menschenfreundliche Kinderarzt für den ihn viele halten. Hinter seiner freundlichen Fassade verbirgt sich ein dunkles Geheimnis. Vor dem Augsburger Landgericht gab S. den sexuellen Missbrauch von 21 Jungen zu.

Zu Beginn des Prozesses sagte S., in der Untersuchungshaft sei er zu der Überzeugung gekommen, dass es der einzige Weg sei, die ihm vorgeworfenen Taten "vollständig einzuräumen". Die Staatsanwältin hatte zuvor rund zwei Stunden lang die Vorwürfe gegen ihn aufgelistet. Zu der Anklage zählten die einzelnen Missbrauchstaten sowie die Dokumentation der von S. teils selbst beim Missbrauch angefertigten Bilder und Videofilme. Ferner wurden bei ihm andere kinderpornografische Bilder gefunden.

S. sagte, "die Daten, die in der Anklage wiedergegeben sind, treffen so zu". Eine Entschuldigung für seine Vergehen gebe es nicht. "Ich kann nur um Vergebung bitten", sagte er unter Tränen. Seinem Geständnis zufolge sieht sich S. selbst als pädophil. Er habe etwa ab dem 17. Lebensjahr einen immer stärkeren sexuellen Drang zu kleinen Jungen verspürt. Nachdem er diesen zunächst über kinderpornografische Bilder aus dem Internet befriedigt habe, habe er sich wie in einer "Spirale" immer weiter in seine Sexualverbrechen hinein bewegt.

Betäubt, missbraucht, gewaschen

S. soll die unter 14 Jahre alten Jungen oftmals in Augsburg München und Hannover in Tiefgaragen oder Keller gelockt, um sich an ihnen zu vergehen. Dabei soll er seine Opfer zum Teil narkotisiert haben, um sie wehrlos zu machen und ihre Erinnerung zu löschen. Die gravierendste Tat ereignete sich am 18. August 2014 in Garbsen bei Hannover. Ein Fünfjähriger wurde betäubt, missbraucht und dann gewaschen. Eine Passantin sah, wie ein Mann aus einem cremefarbenen Geländewagen stieg und ein verstörtes Kind vor einer Hausmauer absetzte.

Im Zuge der folgenden Ermittlungen des bundesweit beachteten Falls kam die Polizei zwei Monate später auf die Schliche des Angeklagten und konnte diesen festnehmen. In weiteren Fällen soll sich der Kinderarzt an den Söhnen von zwei Freundinnen vergangen haben.

Trotz der erdrückenden Beweislage hatte der Angeklagte ein Jahr lang zu den Vorwürfen geschwiegen. Erst kurz vor Prozessbeginn räumte er zum ersten Mal die Taten ein. S. erhofft sich so offenbar eine mildere Strafe. Wenn es vor Gericht um den sexuellen Missbrauch von Kindern geht, ist eine der wichtigsten Fragen, ob man den Opfern eine Aussage ersparen kann. Gelingt dies, weil der Angeklagte die Taten gesteht, dann wirkt sich das im Normalfall günstig auf dessen Strafmaß aus.

S. drohen bis zu 15 Jahre Haft. Das Gericht hat für den Prozess bis kommenden März 30 Verhandlungstage eingeplant.

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa/AFP

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