Panorama

Jagd auf Wale angekündigt Harsche Kritik an Island

Island hat mit der Entscheidung für eine Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs internationale Kritik ausgelöst. "Das ist völlig inakzeptabel", sagte eine Sprecherin von Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) in Berlin. Island müsse das Verbot des kommerziellen Walfangs respektieren, damit sich die Walbestände "auf breiter Basis" erholen könnten. Die Bundesregierung werde dieses Thema bei der nächsten Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) im Mai 2007 ansprechen.

Island hatte am Dienstag angekündigt, zusätzlich zum als wissenschaftlich deklarierten Walfang die kommerzielle Jagd auf Zwerg- und Finnwale wieder aufzunehmen. 30 Zwergwale und 9 Finnwale sollen danach getötet werden dürfen. Den "wissenschaftlichen" Walfang will Island dafür im kommenden Jahr beenden. Wie Nachbar Norwegen argumentiert Island, weiter wachsende Zwergwal-Populationen würden die Fischbestände im Nordatlantik bedrohen.

Neuseelands Umweltminister Chris Carter stellte die isländische Begründung in Frage. "Aber selbst wenn das so wäre, sind die Methoden zur Tötung der Finnwale erschreckend grausam." Es sei äußerst bedauerlich, dass Island sich weigere zu sagen, wie lange es vom Abschuss der Harpune bis zum Tod des Tieres dauere.

Das IWC-Sekretariat in Cambridge (Großbritannien) lehnte eine Stellungnahme "wegen mangelnder Hintergrundinformationen" ab. Ein Moratorium der IWC aus dem Jahr 1986 verbietet die kommerzielle Jagd, erlaubt aber Walfang für die Wissenschaft. Island war jedoch nur unter Vorbehalten der IWC beigetreten und sieht sich daher wie Norwegen nicht an das Verbot gebunden.

Die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn, sagte: "Island isoliert sich mit diesem unsinnigen Einstieg in den kommerziellen Walfang." Die geplanten Fangzahlen könne niemand kontrollieren.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte, die "Lizenz zum Töten" müsse zurückgezogen werden. Greenpeace-Walexpertin Stefanie Werner sagte, Island zerstöre seinen Walbeobachtungs-Tourismus. Bei Reiseveranstaltern gilt Island als einer der weltweit besten Plätze, um Wale und Delfine zu beobachten. Aus diesem Grund hatten die Unternehmen die isländische Regierung mehrfach vor der Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs gewarnt.

Die Umweltstiftung WWF warf Island einen "Rechtsbruch" vor. Das isländische Argument, Zwergwale würden die Fischbestände im Nordatlantik bedrohen, sei wissenschaftlich nicht zu belegen, sagte der WWF-Artenschutzexperte Volker Homes der dpa. Der Finnwal gehöre zu den stark gefährdeten Arten. Nur Japan mache bisher noch Jagd auf bedrohte Arten. Homes betonte, dass die Verwertung des Walfleischs ungeklärt sei: "Man weiß nicht, wohin mit dem ganzen Fleisch." Das meiste werde wieder zurück ins Meer gekippt.

Auch der Internationale Tierschutzfonds IFAW kritisierte die Entscheidung. "Unbegreiflich, dass die kleine Inselrepublik den Protest fast der gesamten Welt ignoriert", sagte der Leiter des deutschen Büros, Ralf Sonntag. "Die Entscheidung ist ein Schlag ins Gesicht der internationalen Gemeinschaft und steht im Gegensatz zu den intensiven Anstrengungen, Wale zu schützen", sagte der wissenschaftliche Leiter der internationalen Gesellschaft für Wal- und Delfinschutz (WDCS), Mark Simmonds.

Quelle: ntv.de

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