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Mysteriöse Morddrohung im Vatikan Hassbrief bedroht Kardinal

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Audienz für die Schweizer Garde: Der Vatikan schweigt.

(Foto: REUTERS)

Mit einem anonymen Brief löst ein Unbekannter im Vatikanstaat die höchste Alarmstufe aus: In einer kaum verhüllten Anspielung droht er einem Würdenträger aus dem Umfeld des Papstes mit dem Tod. Der Skandal lenkt Licht auf anstehende Personalentscheidungen im Kirchenstaat. Im Mittelpunkt steht Kardinal Bertone. Er zählt zu den engsten Vertrauten von Papst Benedikt XVI.

Der Staatssekretär des Heiligen Stuhls, der italienische Kardinal Tarcisio Bertone, hat ein anonymes Schreiben mit einer mysteriösen Morddrohung erhalten.

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Kardinal Tarcisio Bertone kümmert sich für den Papst um die hohe Politik (Archivbild).

(Foto: REUTERS)

Der Autor des Briefes werfe der Nummer zwei in der Verwaltung der katholischen Kirche vor, "keine Entscheidungen treffen zu können und seine Mitarbeiter auf der Basis von persönlicher Freundschaft auszusuchen", heißt es in einem Bericht der italienischen Wochenzeitung "Panorama".

Der Autor kleidete seine Drohung in ein Zitat, das auf eine historische Begebenheit aus dem Jahr 1854 hinweist, bei der ein Mitglied des italienischen Königshauses, Herzog Karl III., in Parma zu Tode kam. Aufgrund seiner Willkürherrschaft soll der Herzog verhasst gewesen sein. Er wurde unter ungeklärten Umständen auf offener Straße erstochen.

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An der Seite von Benedikt XVI: Kardinal Bertone reist mit dem Papst (Mitte).

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Absender des mysteriösen Schreibens verfügt offenbar über Insiderwissen aus dem Umfeld des Heiligen Stuhls. In seinem Schreiben kritisierte er die mögliche Nominierung des aktuellen Generalsekretärs des Governatorats des Vatikans, Monsignore Carlo Maria Vigano, als päpstlicher Botschafter in Washington. Seine Ernennung könnte in den kommenden Tagen verkündet werden.

Der Vatikan wollte die Angelegenheit auf Anfrage nicht kommentieren. Beobachtern zufolge kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Absender des Schreibens ein Geistlicher aus dem Kirchenstaat sein könnte. Als Motiv für die höchst ungewöhnliche Einmischung in kirchliche Personalentscheidungen kämen Karrierestreben, persönliche Enttäuschung oder möglicherweise sogar Eifersucht in Betracht.

Kardinal Bertone wurde 2006 von Papst Benedikt XVI. zum Staatssekretär ernannt. Zuvor hatte Bertone unter der Leitung von Joseph Ratzinger in der Glaubenskongregation gearbeitet. Kritiker werfen Bertone vor, nicht hinreichend mit den Abläufen der Diplomatie vertraut zu sein.

Quelle: ntv.de, AFP