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Besitzerin enteignet Hitlers Geburtshaus wird Staatseigentum

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(Foto: picture alliance / dpa)

Ein jahrelanger Rechtsstreit findet ein Ende: Das österreichische Parlament beschließt, die Besitzerin des Geburtshauses von Adolf Hitler zu enteignen. Die Frau hatte sich lange geweigert, es zu verkaufen. Der Staat will verhindern, dass es zur Pilgerstätte wird.

Das Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau am Inn wird österreichisches Staatseigentum. Das Parlament in Wien stimmte mit großer Mehrheit für ein Gesetz, mit dem die bisherige Besitzerin enteignet und das Gebäude in Staatsbesitz überführt werden soll. Damit ist ein jahrelanger Rechtsstreit über die Zukunft des Hauses beendet, in dem Hitler am 20. April 1889 zur Welt gekommen war.

Österreichs Regierung hatte im Juli beschlossen, die bisherige Besitzerin Gerlinde Pommer zu enteignen und ihr eine Entschädigung zu zahlen. Der Staat will sich so langfristig die Kontrolle über das Haus sichern, damit es nicht zu einem Pilgerort für Neonazis werden kann. Was mit dem Gebäude passieren soll, ist aber noch unklar.

Im Oktober hatte Innenminister Wolfgang Sobotka den Abriss der Hauses angekündigt und sich dabei auf die Empfehlung einer Expertenkommission berufen. Seinen Angaben zufolge sollte das Haus bis auf das Kellerfundament abgerissen und durch einen Neubau für eine soziale Einrichtung ersetzt werden. Mehrere Mitglieder der Expertenkommission bestritten aber, den Abriss empfohlen zu haben. Ihrer Ansicht nach würde ein Abriss "einer Verleugnung der NS-Geschichte in Österreich gleichkommen".

Haus steht seit 2011 leer

Das Gebäude war bereits Anfang der 70er Jahre von der österreichischen Regierung gepachtet und als Behindertenwohnheim genutzt werden. Seit 2011 steht das 800 Quadratmeter große Eckhaus in der Altstadt von Braunau aber leer, weil die Besitzerin keine Erlaubnis für dringend notwendige Renovierungsarbeiten erteilte. Pommer lehnte auch mehrere Kaufangebote des Innenministeriums ab.

Eine Reihe von Kulturorganisationen in der 17.000-Einwohner-Stadt hat sich gegen den Abriss des Hauses gestellt, das unter Denkmalschutz steht. Die Regierung will jedoch verhindern, dass das Gebäude weiterhin ein Anziehungspunkt für Neonazis aus aller Welt bleibt.

Vor dem Gebäude, in dem Hitler bis zu seinem dritten Lebensjahr lebte, befindet sich derzeit ein aus dem ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen stammender Mahnstein aus Granit. Darauf steht: "Für Frieden, Freiheit und Demokratie. Nie wieder Faschismus. Millionen Tote mahnen."

Quelle: ntv.de, fma/AFP