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Manschetten sollen Einsturz verhindern Holocaust-Mahnmal bröckelt

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Zwei Stelen erhielten probeweise eine Metallmanschette.

(Foto: dpa)

Nur ein Jahr nach der Einweihung 2005 zeigen Stelen des Berliner Holocaust-Mahnmals erste Risse. Seitdem ist das Problem nicht kleiner geworden. Um den Einsturz von Stelen zu verhindern, werden nun probeweise Manschetten angebracht. Wer für die Schäden verantwortlich ist, bleibt unklar.

Das Berliner Holocaust-Mahnmal bröckelt weiter, jetzt sollen probeweise Manschetten den drohenden Abbruch von Betonteilen verhindern. Etwa jede siebte der 2700 Stelen müsse voraussichtlich gesichert werden, teilte die Stiftung Mahnmal für die ermordeten Juden Europas mit. Das gehe aus einem vom Berliner Landgericht angeordneten Gutachten hervor. Bisher sei um zwei Blöcke ein solcher Metallrahmen gelegt worden.

Betroffen seien allerdings nur solche Stelen, die zwischen einem und zwei Metern hoch sind und bei denen Risse festgestellt wurden, die ganze Betonteile umschließen. Nach Darstellung des Sachverständigen Wolfgang Brameshuber von der Technischen Hochschule Aachen drohen die von den Rissen umschlossenen Betonteile herauszubrechen und herabzufallen.

Bereits kurz nach der Eröffnung 2005 waren erste Risse in dem vom amerikanischen Architekten Peter Eisenman entworfenen Denkmal aufgetaucht. Diese waren teils noch sehr fein, vergrößerten sich jedoch mit der Zeit. Seit 2009 sucht die Stiftung nach Ursachen und Verantwortlichen für den Verfall und arbeitet an einer Lösung.

Hitze, Wasser, Frost

Joachim Schult von der Beuth Hochschule machte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" thermische Spannung, Hitze, eindringendes Wasser und Frost für die Schäden verantwortlich. Es gehe jetzt nur darum die Rissbreite zu beschränken, sagte er. "Auf lange Sicht sind solche Manschetten der einzige Weg, das Mahnmal vor dem Einsturz zu bewahren."

Das Berliner Landgericht hatte Mitte Februar auf Antrag der Denkmalstiftung und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ein Beweisverfahren gegen die Baufirma Geithner eröffnet. Das Unternehmen hatte das Denkmal gebaut. Vor Gericht soll geklärt werden, warum das Mahnmal verfällt und wer dafür die Verantwortung trägt.

In einem ersten Schritt seien alle betroffenen Stelen identifiziert worden, an zwei Stelen seien nun zur Probe Stahlmanschetten montiert worden. Wieviele Stelen insgesamt eine Manschette brauchen, konnte die Denkmalstiftung nicht mitteilen. Das Stelenfeld werde täglich kontrolliert. Damit komme die Denkmalstiftung auch ihrer Versicherungspflicht für das Denkmal nach. Alle Beteiligten könnten sich nun zu dem Gutachten äußern und zusätzliche Fragen stellen, teilte die Stiftung weiter mit.

Damit könnte es aber auch noch eine Weile dauern, bis das Beweisverfahren abgeschlossen ist und an einer endgültigen Lösung gearbeitet werden kann. Da alle Stelen aus demselben Beton gegossen sind, ist nicht auszuschließen, dass bis dahin weitere Stelen Schäden aufweisen oder einstürzen. Architekt Eisenmann hatte die Schäden einst mit menschlichen Falten verglichen und gefragt: "Was ist so schlimm an den Rissen?"

Quelle: n-tv.de, mli/dpa

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