Panorama

New Orleans wird evakuiert Hunderttausende auf der Flucht

In den USA droht eine der schlimmsten Naturkatastrophen seit Jahrzehnten. Als "Monstersturm" der gefährlichsten Kategorie 5 steuert Hurrikan "Katrina" die Südostküste an. Voraussichtlich am Montagmorgen wird der Hurrikan dort mit seiner ganzen Wucht aufprallen.

Von Louisiana bis Florida fliehen Hunderttausende Menschen ins Landesinnere. Für die Touristenmetropole New Orleans, die direkt im Visier von "Katrina" liegt, wurde wegen erwarteter massiver Überflutungen zum ersten Mal in der Geschichte der USA eine Zwangsevakuierung verfügt.

Auf vielen Straßen in den bedrohten Regionen wälzten sich am Sonntag Autoschlangen in Richtung Inland. An zahlreichen Tankstellen ging das Benzin aus. Die Nationalgarde half bei den Vorbereitungen von der Verkehrsleitung bis hin zur Überprüfung der Dämme, die New Orleans schützen. Die Stadt, die wegen ihrer tiefen Lage auch als "Suppenschüssel" bezeichnet wird, hat rund 470.000 Einwohner plus hunderttausende Touristen und ist gleich an drei Seiten von Wasser umgeben: dem Golf von Mexiko, dem Fluss Mississippi und dem See Pontchartrain. Insgesamt leben in der Region von New Orleans 1,4 Millionen Menschen.

Superdome wird zur Notunterkunft

Die Zufahrtstraßen zur Stadt wurden am Sonntag zu Einbahnstraßen erklärt: Es gab nur den Weg aus der Metropole heraus. Aber rund 100.000 Menschen in New Orleans verfügen nicht über ein Auto - daher wurde der Superdome, das Stadion der Stadt, zur Notunterkunft umfunktioniert. Hier sollten auch Touristen, die die Stadt nicht verlassen konnten, Schutz suchen.

US-Präsident George W. Bush persönlich rief die Menschen in den bedrohten Gebieten dazu auf, den Anweisungen zu folgen und sich in Sicherheit zu bringen. Die von "Katrina" ausgehende Gefahr könne nicht genügend betont werden, sagte Bush. Auch der Chef der US-Behörde für Katastrophenmanagement (FEMA), Michael Brown, sprach von einer äußerst ernsten Situation. "Das hier ist ein Albtraumszenario", sagte er wörtlich.

"Gott schütze uns"

Der Bürgermeister von New Orleans, Ray Nagin, geht davon aus, dass die erwarteten Wassermassen das Deichsystem seiner unterhalb des Meeresspiegels liegenden Stadt überfluten werden. Das Ausmaß der Katastrophe könne "enorm" sein, warnte er. "Unsere schlimmsten Befürchtungen könnten sich bewahrheiten", sagte Nagin. "Gott schütze uns."

"The Big One"

Nach Angaben von Meteorologen könnte "Katrina" der mächtigste Hurrikan werden, der jemals die USA getroffen hat. "Dieser Sturm hat das Potenzial, viele Menschen zu töten", warnte der Direktor des Hurrikan-Zentrums in Miami, Max Mayfield. Mit Windgeschwindigkeiten von fast 280 Stundenkilometern in ihrem Zentrum entwickelte "Katrina" am Sonntag bereits mehr Kraft als "Camille", die 1969 in Mississippi mehr als 250 Menschen in den Tod gerissen hatte. Überhaupt sind - seit es Wetteraufzeichnungen gibt - insgesamt nur drei Hurrikans der Stärke 5 auf das US-Festland geprallt - neben "Camille" noch "Andrew" im Jahr 1992 und ein Hurrikan im Jahr 1935.

"Katrina" könne für New Orleans "the Big One" werden, sagte Ed Rappaport vom Hurrikan-Zentrum. Mit ihren Windgeschwindigkeiten könnte der Monstersturm bis zu sechs Meter hohe Flutwellen erzeugen und Wassermassen bis zu 15 Kilometer weit ins Inland treiben. Das Unwettergebiet ist zudem äußerst groß: Noch 45 Kilometer vom Auge des Sturms entfernt wüteten am Sonntag Winde mit Hurrikanstärke. Das Zentrum in Miami warnte deshalb vor möglichen weit verbreiteten Schäden wie Überschwemmungen auch noch an der Küste Floridas am Golf von Mexiko.

Generell können Stürme der Stärke "Katrinas" extreme Verwüstungen anrichten - sie können Häuser niederreißen, unzählige Bäume entwurzeln und ganze Landstriche unter Wasser setzen. Vor diesem Hintergrund erklärte Bush bereits am Wochenende Louisiana und Mississippi zu Katastrophengebieten - das ermöglicht rasche Bundeshilfe.

"Katrina" hatte bereits am Donnerstagabend als Hurrikan der schwächsten Kategorie 1 den Südzipfel Floridas heimgesucht, war dann in den Golf von Mexiko gewirbelt und hatte über dem warmen Wasser stetig Energie getankt. In Florida hinterließ der Sturm mindestens sieben Tote und teilweise schwere Überflutungen. Am Wochenende waren eine Million Einwohner noch immer ohne Strom, nachdem "Katrina" zahlreiche Leitungen heruntergerissen hatte.

Quelle: ntv.de