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Vermindert Schuldfähig ICE-Entführer muss in die Psychiatrie

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Der geständige Angeklagte hatte in einem ICE den Zugchef mit einer Schreckschusspistole bedroht.

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Vor zehn Monaten stürmt ein offenbar verwirrter, junger Mann mit einer Schreckschusspistole einen ICE und nimmt den Zugführer als Geisel. Fahrgäste können ihn jedoch überwältigen. Nun musste sich der 24-Jährige vor Gericht verantworten.

Wegen der Entführung eines ICE vor knapp zehn Monaten hat das Kammergericht Berlin einen 24-jährigen zu vier Jahren Haft verurteilt und seine Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet. Der Staatsschutzsenat befand den Angeklagten David S. der Geiselnahme und eines Verstoßes gegen das Waffengesetz sowie der Nötigung des Bundespräsidenten für schuldig, wie ein Gerichtssprecher mitteilte.

Bei der Tat am 21. November 2014 war der Mann nach Überzeugung der Richter aufgrund einer Persönlichkeitsstörung nur vermindert schuldfähig. Das Gericht ging zudem davon aus, dass die psychische Erkrankung des Angeklagten die Tat maßgeblich mitverursacht hatte und S. auch weiterhin gefährlich ist.

Von Fahrgästen überwältigt

Der geständige Angeklagte hatte in einem ICE auf der Fahrt von Berlin nach Hamburg den Zugchef mit einer Schreckschusspistole bedroht. Er forderte, dass Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier in einer Pressekonferenz die Anerkennung Palästinas als Staat durch Schweden, Großbritannien und Spanien auf das Schärfste verurteilen und sich demonstrativ hinter Israel stellen sollten.

Laut Urteil wollte S. bis zur Erfüllung seiner Forderung Fahrgäste und Personal des ICE in seiner Gewalt behalten. Er konnte jedoch von Fahrgästen überwältigt werden, als der ICE auf Wunsch des Entführers im brandenburgischen Nauen zum Stehen kam. Gegen das Urteil ist Revision beim Bundesgerichtshof möglich.

Quelle: n-tv.de, jja/AFP