Panorama

Kleingärtnern fehlt Nachwuchs Im Osten stehen die Lauben leer

20958768.jpg

Deutschland fehlt der Kleingärtner-Nachwuchs.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Deutschlands Großstädten ist die Nachfrage nach Schrebergärten unverändert groß. Doch der Verband der Kleingärtner sorgt sich um die ländlichen Gebiete im Osten. Hier bleiben viele Parzellen ungenutzt. Sogar die Bundesregierung ist auf dieses Thema aufmerksam geworden.

Deutschland ist das Land der Laubenpieper: Bundesweit werden mehr als eine Million Schrebergärten beackert. Doch die Idylle hat schon lange einen Riss. Denn während es in Großstädten kaum Nachwuchssorgen gibt, häufen sich vor allem in ländlichen Regionen Ostdeutschlands die Leerstände. "In manchen Gartenanlagen liegt jede zweite Parzelle brach", sagt Walter Strauß vom Landesverband der Gartenfreunde Sachsen-Anhalt. Durch die immer älter werdende Bevölkerung und den Umzug junger Leute fehlen potenzielle Pächter.

Kleingärten sind nicht nur Rückzugsgebiet für Tiere und Pflanzen, sondern für viele Deutsche auch liebste Freizeitbeschäftigung. Doch die Laubenpieper werden immer älter. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung liegt das Durchschnittsalter der Kleingärtner heute bei rund 60 Jahren. Ein Drittel ist sogar zwischen 65 und 75 Jahre und stellt damit die stärkste Altersgruppe. Nur 21 Prozent sind jünger als 50 Jahre, 1997 waren das noch 26 Prozent.

Altersbedingte Aufgabe

Viele müssen ihren Garten deshalb aus gesundheitlichen Gründen oder altersbedingt aufgeben. In strukturschwachen Regionen Westdeutschlands und besonders in den neuen Ländern sind aber vor allem Umzüge ein häufiger Grund für die Aufgabe des Gartens. Die Folge: Viele Schreberanlagen ähneln heute einem Flickenteppich aus beackerten und ungenutzten Parzellen.

Die neuen Bundesländer treffe dies am härtesten, weil die Kleingartendichte dort seit jeher sehr hoch sei, sagt Theresia Theobald vom Bundesverband der Gartenfreunde (BDG). Während im Westen Deutschlands auf 1000 Einwohner sechs genutzte Kleingärten kommen, sind dies im Osten 36. Auf der anderen Seite musste der Osten nach der Wende erhebliche Bevölkerungsverluste verkraften. Allein Sachsen-Anhalt verlor seit 1990 durch Abwanderung und Geburtenrückgang rund eine halbe Million Einwohner.

Auch die Bundesregierung sieht den wachsenden Leerstand in Kleingartenanlagen "mit Sorge". Das Bundesbauministerium hat deshalb ein Forschungsprojekt angeschoben, um Konzepte dagegen zu entwickeln, wie es in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hieß. Einen Lichtblick gibt es immerhin: In Großstädten ist die Nachfrage von Familien nach Kleingärten größer geworden. So groß, dass es teilweise sogar Wartelisten gibt.

Quelle: n-tv.de, Andrea Hentschel, AFP

Mehr zum Thema