Panorama

Kind an Masern gestorben Immer mehr Fälle in NRW

In diesem Jahr ist bereits ein zweites Kind in Deutschland an Masern gestorben. Der 13 Monate alte Junge habe sich während des Masernausbruchs in Nordrhein-Westfalen 2006 infiziert, teilte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte mit. Er habe sich als Säugling bei seiner jungen Mutter angesteckt und später eine schwere Maserngehirnentzündung bekommen. Bei dieser Epidemie sei auch ein Junge erkrankt, der im Alter von drei Jahren in diesem Januar gestorben sei.

Die Zahl der Masernerkrankungen steigt unterdessen weiter an. Nach Angaben des Landesinstituts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst in Münster hat sie sich in Nordrhein-Westfalen seit Jahresbeginn auf fast 80 erhöht. Bei einem weiteren Masernausbruch gibt es in Niederbayern nach Angaben des Berufsverbands inzwischen 50 Erkrankte.

In der Praxis angesteckt

Zwei schwere Fälle hat zudem der Raum Bielefeld. Sie gehen auf Ansteckungen im Jahr 1999 in einer Kinderarztpraxis zurück. Ein Kind erkrankte an einer chronischen Maserngehirnentzündung. Sie tritt als Spätfolge einer Masernerkrankung auf. Besonders häufig sind Kinder betroffen, die im ersten Lebensjahr Masern bekommen. "Dieser neue Fall ist besonders tragisch, da sich das Mädchen im Säuglingsalter offenbar in unserer Praxis angesteckt hat. Zu dieser Zeit war auch ein älterer Junge mit unspezifischen Beschwerden in der Praxis, bei dem erst am folgenden Tag die Masern diagnostiziert werden konnten", erklärte Christoph Holzhausen, Kinder- und Jugendarzt aus Bad Salzuflen. Dieser Junge habe insgesamt neun Kinder in der Praxis angesteckt. Bei zweien dieser Kinder sei die gefährliche chronische Maserngehirnentzündung ausgebrochen.

Diskussion um Impfpflicht

Um einen vollständigen Schutz gegen Masern zu haben, empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (RKI) zwei Impfungen, die bereits im zweiten Lebensjahr im Abstand von vier Wochen erfolgen sollten. Fehlende Impfungen können aber in jedem Lebensalter nachgeholt werden.

Angesichts der Diskussion um Kinderkrippen fordert der Ärzteverband, dass dort kein ungeimpftes Kind aufgenommen werden dürfe. Damit würden auch Babys geschützt, die bis zum elften Lebensmonat nicht gegen Masern geimpft werden können.

Während der Masernepidemie in Nordrhein-Westfalen 2006 waren 1726 Menschen (2005: 34) erkrankt. Deutschlandweit waren es insgesamt rund 2281 Erkrankungen (2005: 780). Ausgelöst wurde die Epidemie durch erkrankte jugendliche Schüler.

Masern auch anderswo

Auch in vielen beliebten Reiseländern besteht ein Ansteckungsrisiko. In der Schweiz gab es seit Beginn des Jahres bereits weit mehr als 100 Masernerkrankungen. Und auch in Italien, Spanien, Österreich und vor allem der Türkei kommt es immer wieder zu großen Epidemien mit Tausenden von Erkrankungen. Wer Urlaubsreisen in diese Länder plant, sollte unbedingt gegen Masern geimpft sein, riet Wolfram Hartmann, Präsident des Bundesverbandes der Kinder- und Jungendärzte.

Quelle: ntv.de

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