Panorama

Behörde stuft Leck als "ernsten Störfall" ein Immer mehr Krebsfälle rund um Fukushima

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Die Arbeiten auf dem Kraftwerksgelände sind lebensgefährlich.

(Foto: AP)

Am 11. März 2011 kommt es im japanischen Atomkraft Fukushima infolge eines Erdbebens zu mehreren Explosionen und Kernschmelzen. Die Katastrophe gilt als das folgenschwerste Atomunglück seit Tschernobyl 1986. Jetzt werden immer mehr Krebsfälle bekannt - für die UN jedoch kein Thema.

Gut zweieinhalb Jahre nach dem Atomunfall im japanischen Fukushima ist die Zahl von dort lebenden Kindern mit Schilddrüsenkrebs weiter gestiegen. Wie der japanische Fernsehsender NHK berichtete, wurde bei Untersuchungen von Kindern, die zum Zeitpunkt des Unfalls vom 11. März 2011 18 Jahre oder jünger waren, bei sechs weiteren Kindern Schilddrüsenkrebs diagnostiziert. Damit stieg die Zahl der Krebsfälle unter Kindern auf 18. Ob jedoch der GAU im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi ursächlich für die Krebserkrankungen sei, könne zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mit Bestimmtheit gesagt werden, erklärte ein Untersuchungskomitee der Präfekturverwaltung von Fukushima.

Die Präfekturverwaltung von Fukushima will die Schilddrüsen aller in der Region lebenden Kinder, die zum Zeitpunkt des Atomunfalls 18 Jahre alt oder jünger waren, untersuchen lassen. Das sind etwa 360.000 Kinder. Bis Ende vergangenen Monats wurden davon 210.000 Kinder untersucht. Neben den bisher 18 diagnostizierten Krebsfällen bestehe bei 25 Kindern ein "Verdacht" von Krebs, zehn Kinder mehr als bisher, berichtete NHK.

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Das radioaktiv verseuchte Kühlwasser wird in riesigen Tanks auf dem Gelände des AKW gelagert und stellt ein großes Risiko dar.

(Foto: AP)

Zuvor hatten Vereinten Nationen die "Angst vor Radioaktivität" als "unbegründet" bezeichnet. Das "Komitee für die Folgen von Strahlung" (Unscear) teilte mit, dass der Atomunfall von Fukushima "weder Todesfälle verursacht" hat, noch einen "Anstieg der Krebsfälle auslösen" wird. Die Katastrophe vom März 2011 habe damit keine direkten Gesundheitsfolgen für die Bevölkerung, heißt es in der Studie. Auch die Mengen an radioaktivem Cäsium ließen keine vermehrten Krebsfälle in den kommenden Jahrzehnten erwarten. Der Grund sei vor allem die schnelle Evakuierung der Region durch die japanischen Behörden, so die Unscear. Die einzigen Probleme der Menschen von Fukushima seien "psychisch und sozial", etwa durch die Evakuierung oder einer Stigmatisierung.

Hokuto Hoshi, Leiter des Gesundheitsausschusses der Präfektur Fukushima hatte sogar erklärt, dass die jüngsten Fälle vermutlich gar keinen Bezug zur Fukushima-Katastrophe hätten, sondern die Folge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 wären.

Auch AKW-Chef hatte Krebs

Im Juli war der ehemalige Direktor des Kraftwerks, Masao Yoshida, an Krebs gestorben. Yoshida wurde 58 Jahre alt. Er war im Dezember 2011 wegen seiner Erkrankung zurückgetreten. Tepco erklärte umgehend, die Erkrankung stehe nicht in Zusammenhang mit dem Unglück. Im Juli 2012 war Yoshida zudem wegen Gehirnblutungen operiert worden.

Der Direktor hatte sich in den ersten Stunden nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami im März 2011 über eine Anordnung von Tepco hinweggesetzt und das Einpumpen von Meerwasser zur Kühlung der beschädigten Reaktoren fortgesetzt. Sein Alleingang verhinderte Schlimmeres. In Japan wurde er dadurch zum Helden. "Ich dachte mehrmals, ich würde sterben", sagte er später über die dramatischen Stunden.

Leck ist ein "ernster Störfall"

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Die Behälter sind nicht mehr dicht.

(Foto: AP)

Derweil steht die japanische Atomaufsichtsbehörde vor einem neuen Problem. Ein großes Leck am AKW Fukushima stellte die Behörde jetzt als "ernsten Störfall" dar. Bislang seien rund 300 Liter radioaktiv verseuchtes Wasser innerhalb der Anlage ausgetreten.

Der Elektrizitätskonzern Tepco hatte mitgeteilt, dass in dem havarierten Kraftwerk das bisher größte Leck seit dem Unfall 2011 entdeckt worden sei. Nahe der Auffangtanks seien an Pfützen Strahlungswerte von 100 Millisievert pro Stunde gemessen worden, was Wissenschaftlern zufolge für Menschen gesundheitsgefährdend ist. Das genaue Leck wurde aber noch nicht lokalisiert.

Im Atomkraftwerk Fukushima war infolge eines Erdbebens und eines Tsunamis Mitte März 2011 das Kühlsystem ausgefallen, woraufhin es in mehreren Reaktoren eine Kernschmelze gab. Die Reaktorkatastrophe war das folgenschwerste Atomunglück seit dem Unfall im ukrainischen Tschernobyl im Jahr 1986, sie lag auf der höchsten der sieben Stufen einer internationalen Skala. Tepco kämpft seit dem Unglück in Fukushima mit riesigen Mengen radioaktiv kontaminierten Wassers, das zu Kühlungszwecken an den beschädigten Reaktoren eingesetzt worden war.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa/AFP