Panorama

"Brisante, gefährliche Wetterlage" In Berlin werden die Rettungswagen knapp

Ausgerechnet dann, wenn die Luft endlich winterlich kalt wird, müssen auch noch einige Tropfen Niederschlag fallen. In Berlin vereisen in wenigen Minuten Straßen und Bürgersteige. Die Rettungsdienste kommen an ihre Grenzen.

Das Blitzeis hat im Unfallkrankenhaus Berlin zu einem Patientenansturm geführt. "Die Feuerwehr hat die Verletzten auch in Löschzügen vorbeigebracht, weil sie nicht mehr genug Rettungswagen hatte", sagte Sprecherin Angela Kijewski. Innerhalb von zwei Stunden seien 41 Menschen nach Stürzen oder Unfällen eingeliefert worden. Manche hätten vor Schmerzen geschrien.

"Es gab Hüftbrüche und ausgekugelte Hüften. So etwas tut höllisch weh", ergänzte Kijewski. Der jüngste Patient sei 14, der älteste 93. Die Ärzte behandelten neben vielen Brüchen auch Sprunggelenksverletzungen, Bänderdehnungen und Platzwunden am Kopf.

Die Berliner Feuerwehr befindet sich seit dem Morgen im Ausnahmezustand, teilte der Lagedienst mit. Zusätzliche Kräfte von Freiwilligen Feuerwehren seien alarmiert worden. Zudem wurden 15 zusätzliche Fahrzeuge von Hilfsorganisationen wie der Caritas und von der Polizei eingesetzt. Wegen der Vielzahl der Unfälle kam es nach Angaben des Feuerwehr-Sprechers teilweise zu Wartezeiten an den Unfallstellen.

Alle Hände voll zu tun

Überfrierender Regen machte Autofahrern, Fußgängern und Fahrradfahrern heftig zu schaffen. Innerhalb von wenigen Minuten wurde es kurz nach 7 Uhr spiegelglatt auf den Straßen. Autofahrer verloren die Kontrolle über ihre Fahrzeuge. Fußgänger rutschten aus und stürzten. Seit 0 Uhr fuhr die Berliner Feuerwehr bereits 600 Notfalleinsätze, seit 7.30 Uhr praktisch im Minutentakt. Die meisten davon gingen auf das Konto der Glätte. Der Berliner Katastrophenschutz forderte die Bürger auf, zu Hause zu bleiben.

Ein ähnliches Bild bot sich in Teilen Brandenburgs, vor allem die Landkreise Barnim, Märkisch-Oderland und die Region Frankfurt (Oder) waren betroffen. Ein Sprecher der Polizeidirektion Ost sagte: "Seit 6 Uhr früh hatten wir bereits mehr als 60 Verkehrsunfälle durch Blitzeis." Sieben Menschen seien verletzt worden. Auch am Autobahndreieck Waltersdorf im Süden Berlins kam es am Vormittag zu zahlreichen Verkehrsunfällen. Die Feuerwehren der Regionalleitstellen Oderland und Lausitz hatten nach Stürzen von Fahrradfahrern und Fußgängern ebenfalls "alle Hände voll zu tun".

Brisante Wetterlage

Die Wetterexperten warnen seit Tagen vor einem bevorstehenden Wetterwechsel und dem damit verbundenen Blitzeis. "Momentan haben wir es in einigen Teilen Deutschlands mit einer brisanten, teils sogar gefährlichen Wetterlage zu tun", erklärt n-tv Meteorologe Björn Alexander. Einerseits schiebe ein Italientief milde Luft in höheren Luftschichten nach Deutschland. Andererseits transportiere ein Hoch über Russland in bodennahen Schichten kalte Frostluft in den Nordosten unseres Landes.

"Fällt nun Regen oder Nieselregen aus der milden Luft Richtung Erde, dann müssen die Tropfen durch die kalte Luft und treffen unter Umständen auf Frost am Boden." Die Folge ist gefährlicher Glatteisregen, so Alexander. Bisher war der Winter 2013/14 fast vier Grad zu warm. Doch nun liegen die Tiefstwerte in der Nordosthälfte bei -5 bis 0 Grad. Im Südwesten liegen die Werte zwischen 0 und +4 Grad.

Auch in Teilen Schleswig-Holsteins, Mecklenburg-Vorpommerns und Niedersachsens könnte es dann bei Minustemperaturen Sprühregen oder Regen und in der Folge Blitzeis geben. In der Nacht geht der Glatteisregen im Osten mehr und mehr in Schneefall über. Und auch im weiteren Wochenverlauf sollte man sich immer wieder mal auf Glätte einstellen, denn es wird insgesamt deutlich winterlicher als zuletzt.

Quelle: ntv.de, sba/dpa

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