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Kampf vor Gericht Inderinnen wollen in der Öffentlichkeit stillen

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Bis Sonntag soll die Weltstillwoche darauf aufmerksam machen, dass stillende Mütter weltweit mit Ablehnung zu kämpfen haben.

(Foto: picture alliance / Patrick Pleul)

Nackte Haut wird bei Inderinnen mit Ablehnung gestraft - auch beim Stillen. Das will sich eine Mutter nicht mehr bieten lassen und kämpft vor Gericht für öffentliche Räume zum Füttern. Das Verfahren läuft bisher gut. Die Akzeptanz in der Gesellschaft bleibt aber fraglich.

Munter vor sich hin brabbelnd spielt der kleine Avyaan mit seinem Elefanten-Stofftier - er ahnt nicht, dass er in Indien als Symbol gegen die Benachteiligung stillender Frauen in die Geschichte eingehen könnte. Seine Mutter will vor Gericht erwirken, dass Frauen in der Öffentlichkeit ungestört ihren Babys die Brust geben dürfen. Noch bis Sonntag soll die Weltstillwoche darauf aufmerksam machen, dass stillende Mütter weltweit mit Ablehnung zu kämpfen haben.

In konservativen Ländern wie Indien werden Mütter besonders stark benachteiligt. Von Inderinnen wird erwartet, dass sie sich "anständig" kleiden, nackte Haut wird mit Ablehnung oder gar sexueller Belästigung gestraft.

"Wir können nicht öffentlich stillen, weil die Brust ausschließlich als sexuelles Körperteil wahrgenommen wird", sagt Avyaans Mutter Neha Rastogi in ihrer Wohnung in der nordindischen Stadt Noida. Sie erzählt von einem Flug nach Bangalore mit ansonsten nur männlichen Passagieren.

"Mein Sohn nahm zu dem Zeitpunkt nur Muttermilch zu sich und es war so schwierig, ihn dort zu füttern", sagt die 30-Jährige. Vor Gericht will sie erreichen, dass die Regierung in allen öffentlichen Orten Raum zum Stillen schafft. Bislang läuft das Gerichtsverfahren gut für sie: Das Oberste Gericht in Neu Delhi hat die Behörden aufgefordert, bis zur nächsten Anhörung Ende August eine mögliche Lösung zu präsentieren.

"Männer verbinden alles mit Sex"

Fraglich ist aber, ob ein Erfolg vor Gericht zur Akzeptanz stillender Frauen in der Gesellschaft beitragen würde. Schmerzlich musste Gilu Joseph erfahren, wie ablehnend manche Inder reagieren können. In diesem Jahr war die Schauspielerin aus der südindischen Stadt Kerala barbusig mit einem Baby auf dem Titelbild eines Magazins zu sehen. "Mütter fordern Kerala auf: Nicht starren - wir müssen stillen", war darauf zu lesen.

Die 28-Jährige landete daraufhin zusammen mit dem Verleger vor Gericht. Es gingen Anzeigen wegen Nacktheit und der Gefährdung der gesellschaftlichen Moral gegen sie ein. Das Gericht wies die Anschuldigungen zwar zurück, über Joseph ergoss sich aber eine Flut an Beleidigungen. Die Schauspielerin kämpft dennoch weiter: "Mir ist es egal, was andere über mich sagen", sagt sie. "Unsere Gesellschaft ist so sexualisiert, dass Männer alles mit Sex verbinden", kritisiert Joseph.

Die Benachteiligung von stillenden Frauen ist nicht nur lästig, sondern kann auch gefährlich werden: Viele Inderinnen können sich keinen Milchersatz leisten und weil sie nicht draußen stillen sollen, sind viele Mütter ans Haus gefesselt. Auch der Wiedereinstieg ins Berufsleben ist für sie deutlich schwieriger.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef und die Weltgesundheitsorganisation betonen anlässlich der Weltstillwoche in einem neuen Bericht die Vorteile des Stillens. "Wir müssen Mütter dringend mehr unterstützen", fordern die Organisationen. Ihr Appell richtet sich an Familienmitglieder, Angestellte im Gesundheitssektor, Arbeitgeber und Regierungen. In zahlreichen Ländern gibt es Aktionen zur Weltstillwoche. In der philippinischen Hauptstadt Manila wollen am Sonntag etwa Tausende Frauen gleichzeitig ihren Babys die Brust geben.

Quelle: n-tv.de, lri/AFP

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