Biogas und RecyclingIndien plant "grünes Gefängnis"
Gefängnisdirektor Gupta hat ein ehrgeiziges Ziel: Südasiens größte Haftanstalt soll das weltweit erste Öko-Gefängnis werden. Nebenbei hofft man auf bessere Lebensverhältnisse.
Es ist bereits das größte Gefängnis in Südasien - nun aber soll das Tihar Central Jail in Neu-Delhi zum ersten "grünen" Gefängnis weltweit werden. Um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, will Direktor B. K. Gupta die riesige Haftanstalt im Westen der indischen Hauptstadt innerhalb der nächsten drei Jahre auf Solarenergie und Biogas umstellen, das Wasser aufbereiten und den Abfall recyceln lassen. Eine Million Euro, schätzt Gupta, kann er auf diese Weise jährlich einsparen. Als Nebenprodukt könnten sich dabei auch die Lebensverhältnisse der Häftlinge verbessern.
Das Zentralgefängnis hat die Ausmaße einer kleinen Stadt. Trotz seiner Größe aber ist es massiv überbelegt: Auf 160 Hektar sind in zehn Häuserblocks 11.500 Häftlinge untergebracht, vorwiegend Untersuchungshäftlinge, die meisten von ihnen Männer. Gebaut wurde die Haftanstalt ursprünglich für 6250 Insassen. Entsprechend überbeansprucht sind die Sanitäranlagen der Gemeinschaftszellen.
"Leben wie in einer Stadt"
"Wir wollen internationale Standards einführen und mehr als das. Wir leben wie in einer Stadt, haben aber eine Menge unbebautes Gebiet", sagt Anstaltsleiter Gupta. Die freie Fläche will der ehemalige Polizist für seine "grüne Revolution" nutzen. Bisher wurde mit Erdgas gekocht - nun sollen in vier neuen Biogas-Anlagen in der Nähe der Gefängnisküchen tonnenweise Küchenabfälle in Energie umgewandelt werden. Weiteres Gas zum Kochen sollen Biomasse-Vergaser liefern, die Baumschnitt-Abfälle sowie Späne aus den Werkstätten der Anstalt verarbeiten, in denen 350 Häftlinge Möbel für den Verkauf fertigen.
Um das Grundwasser konstant zu halten, wird schon heute das Regenwasser aufgefangen - nun lässt Gupta Aufbereitungsanlagen bauen, um aus Abwässern Brauchwasser für Gärten, Toiletten und Duschen zu gewinnen. Für warmes Wasser sorgt künftig ein solarbetriebenes Heizsystem, derzeit verbrauchen die Häftlinge 30.000 Liter täglich.
Kein Strom zwischen 7.00 und 9.00 Uhr
Umgerechnet 141.000 Euro veranschlagt die Anstaltsleitung für ihr Umweltprojekt. Die Hälfte steuert die indische Regierung bei. Neben einer Reduzierung des Treibhausgasausstoßes erhofft sie sich im Gegenzug unter anderem Einsparungen bei der Stromrechnung: Bisher zahlt die Anstalt allein für Strom 658.000 Euro im Jahr.
Um weiteren Strom zu sparen, ersetzt Gupta nach und nach alle Glühbirnen durch Energiesparlampen. Den Häftlingen will er im Winter morgens zwischen 7.00 und 9.00 Uhr sowie nachmittags von 15. 00 bis 17.00 Uhr den Strom abstellen. "Sie brauchen morgens keinen Strom. Da machen sie Yoga oder meditieren außerhalb der Zellen", sagt er. Im Sommer, wenn die Temperaturen auf bis zu 50 Grad steigen, sollen dafür Ventilatoren rund um die Uhr im Einsatz sein, so dass die Häftlinge "nicht ersticken, wie in anderen Gefängnissen in Asien".
Die Ärztin in der Krankenstation des Frauenblocks Nr. 6 freut sich über die geplanten Sparmaßnahmen. Vielleicht, so hofft sie, bleibt dann genügend Geld für dringend notwendige Investitionen in ihrer Station. "Wir brauchen dringend Fachärzte", sagt die Ärztin. "Und wir brauchen dringend neue Geräte - nicht nur zum Energiesparen."