Panorama

Vorwurf Spionage Iran stellt US-Journalisten vor Gericht

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Jason Rezaians (m.) Frau Yeganeh Salehi wurde vergangenen Oktober gegen Kaution freigelassen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seit vielen Monaten sitzt der Amerikaner Jason Rezaian im Iran im Gefängnis. Nun wird bekannt, was die Justiz ihm vorwirft: Der "Washington-Post"-Journalist muss sich wegen angeblicher Spionage vor Gericht verantworten. Die USA fordere seine Freilassung

Der im Iran inhaftierte Korrespondent der "Washington Post" Jason Rezaian wird wegen "Spionage" und "Zusammenarbeit mit feindlichen Regierungen" vor Gericht gestellt. Seine Anwältin Leila Ahsan sagte, dem US-Bürger werde vorgeworfen, vertrauliche Informationen gesammelt zu haben. Die Chefredaktion der US-Zeitung sprach von "absurden und niederträchtigen" Unterstellungen.

Ahsan sagte, für die Beschuldigungen gegen den seit Juli 2014 inhaftierten Journalisten gebe es keine "gesicherten Beweise". Ihrem Mandanten werde zur Last gelegt, vertrauliche Informationen gesammelt und Propaganda gegen die Islamische Republik Iran betrieben zu haben. Rezaian habe jedoch "keinen direkten oder indirekten Zugang" zu vertraulichen Informationen gehabt.

Jason Rezaian ist "guter Dinge"

Die Anwältin äußerte sich nach dem ersten Treffen mit ihrem im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis inhaftierten Mandaten. Nach ihren Worten war Rezaian "guter Dinge". Ihm mache jedoch zu schaffen, dass er keinen Zugang zu Zeitungen oder Medien habe. Zuvor hatte Teherans Justizchef Gholamhossein Esmaili erklärt, das Dossier gegen den 39-jährigen Rezaian sei "umfangreich" und enthalte "verschiedene Aspekte".

Rezaian und seine iranische Frau Yeganeh Salehi waren Ende Juli 2014 in ihrem Haus in Teheran festgenommen worden. Salehi, die ebenfalls Journalistin ist, wurde im Oktober gegen Kaution freigelassen. Sie arbeitete als Korrespondentin für die Zeitung "The National" aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Rezaian besitzt die iranische und die US-Staatsbürgerschaft. Die US-Regierung forderte wiederholt, Rezaian umgehend freizulassen.

Prozessbeginn steht noch nicht fest

Der Chefredakteur der "Washington Post", Martin Baron, erklärte, es sei "abwegig, wie die iranische Justiz zu behaupten, dass die Arbeit von Jason als freier Journalist und dann als Korrespondent der 'Post' mit Spionage zu tun hatte oder die iranische Sicherheit bedrohte". Bei einem fair geführten Prozess werde vor den Augen der Welt bewiesen werden, dass die Anklage "lächerlich und verleumderisch" sei. Ein Termin für den Prozessbeginn war zunächst nicht bekannt.

Das Verhältnis zwischen den USA und dem Iran ist seit Jahrzehnten gespannt. Im Jahr 1980 wurden die diplomatischen Beziehungen abgebrochen. Allerdings verbesserte sich das Verhältnis mit dem Amtsantritt des gemäßigten Präsidenten Hassan Rohani im August 2013. Anfang April einigte sich der Iran zudem mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland in Lausanne auf Eckpunkte für ein Abkommen, das den jahrelangen Atomkonflikt beilegen soll.

Die Verhandlungen werden ab Mittwoch in Wien fortgesetzt. Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hatte vergangene Woche betont, Rezaians Fall obliege der Justiz und nicht der Politik. Rezaians Anwältin Ahsan sagte nun, sie sehe keine Verbindung zu den Atomverhandlungen, doch hoffe sie, dass diese zur schnelleren Freilassung ihres Mandaten führten.

Quelle: ntv.de, lda/AFP