Panorama

Versunkener Nazi-Schatz im Stolpsee Israeli sucht Görings Gold

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Yaron Svoray ist bei Weitem nicht der Erste, der sich beim Stolpsee auf die Schatzsuche macht.

(Foto: dpa)

Um den Stolpsee im Norden Brandenburgs rankt sich ein besonderer Mythos. Nazi-Größe Hermann Göring soll dort einen Schatz versteckt haben. Viele haben bislang danach gesucht, keiner der Versuche war von Erfolg gekrönt. Nun hofft ein Israeli auf sein Glück.

Der Wind spielt mit dem Schilf, Vögel sind zu hören. Friedlich liegt der Stolpsee in der Sonne. Dabei könnte das Gewässer in Brandenburg ein dunkles Geheimnis hüten - wird immer wieder gemunkelt. Auf seinem Grund soll ein bedeutender Schatz liegen. Versenkt haben ihn angeblich die Nazis kurz vor Kriegsende. Jetzt, fast 70 Jahre danach, soll er endlich gehoben werden.

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Schon mehrmals sorgte Svoray für Aufsehen: 2008 fand er Nazi-Symbole auf einer Müllhalde nahe des brandenburgischen Klandorf.

(Foto: AP)

Er habe "Beweise", dass im April 1945 schwere Kisten zum Stolpsee rund 90 Kilometer nördlich von Berlin geschafft worden seien, sagt Yaron Svoray. Der Israeli leitet eine Expedition, die im Frühjahr mit einem internationalen Expertenteam am See aufkreuzte. Das Aufsehen war groß. Boote mit Sonden wurden zu Wasser gelassen. "Operation beginnt: Forscher sucht Nazi-Gold" und "Mythos Stolpsee: Der Jäger des versunkenen Nazi-Goldes" lauteten Schlagzeilen.

Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt. Svoray, der sich Anfang der 90er inkognito in deutsche Naonazi-Gruppen einschleuste und darüber ein Buch schrieb, und sein Team haben bislang nichts Konkretes gefunden. "Ein Schatz?", sagt der Wirt eines Restaurants am Ufer und winkt lachend ab. Alle Jahre wieder werde "so ein Gewese" um den Stolpsee gemacht. Aber an der Legende sei nichts dran. Das einzig Wertvolle in dem See seien Fische. Zander, Hecht und Wels stehen bei dem Wirt auf der Speisekarte.

Dokumente aus Ravensbrück versenkt?

Doch Expeditionsleiter Svoray lässt sich nicht beirren. "Wir haben eine dreidimensionale Karte erstellt", sagt der 59 Jahre alte Sohn eines deutschen Juden. Darauf seien etliche Objekte verzeichnet. Nun würden diese mit einer Art Röntgenstrahlen durchleuchtet. Und wenn die Objekte tatsächlich etwas enthalten? Dann werde getaucht, sagt Svoray. Vor Herbstbeginn will das Team an den Stolpsee zurückkehren. Unterstützt wird es vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege/Archäologisches Landesmuseum.

Der Legende nach sollen im Frühjahr 1945 Kisten voller Gold und Platin im Stolpsee versenkt worden sein. Auftraggeber soll Nazigröße Hermann Göring gewesen sein. Er raffte im Krieg besonders viel Raubkunst zusammen und staffierte damit seinen Landsitz Carinhall aus. Als die Rote Armee vorrückte, soll Göring angewiesen haben, die Beute im 40 Kilometer entfernten Stolpsee zu verstecken.

Auf Boote verladen und versenkt wurden die Kisten angeblich von Häftlingen aus dem nahe gelegenen Konzentrationslager Ravensbrück. Danach sollen sie noch am Ufer von SS-Leuten erschossen worden sein. Eine andere Theorie besagt, dass die Nazis im Stolpsee gar kein Gold versenkten, sondern Dokumente aus dem KZ Ravensbrück.

Svoray ist nicht der Erste, der nach den angeblich versunkenen Geheimnissen sucht. 1981 ließ schon die DDR-Staatssicherheit im Stolpsee tauchen. Damals war es der "Stern"-Reporter Gerd Heidemann, der Beschaffer der gefälschten Hitler-Tagebücher, der die Stasi auf den Schatz aufmerksam machte. Die fand trotz großer Suchaktion gar nichts, obwohl der Stolpsee nur 13 Meter tief ist. Auch danach gingen immer wieder Abenteurer auf Tauchstation, zuletzt wollten 2011 Briten die Nazi-Reichtümer heben. Erfolg hatte bislang keiner.

Auf der Suche nach der Wahrheit

Jetzt soll alles anders werden. Es gebe "deutliche Anzeichen", dass im Stolpsee in den letzten Kriegstagen etwas versteckt worden sei, sagt Thomas Kersting, Dezernatsleiter Archäologische Denkmalpflege beim Denkmalpflege-Landesamt. Das Amt hat die aktuelle Expedition genehmigt. Auf dem Seegrund lägen vermutlich Dinge von "historischem Interesse", meint Kersting. Würden etwa KZ-Dokumente aus Ravensbrück geborgen, könnte das auch die Bundesregierung und die Jewish Claim Conference auf den Plan rufen. Dann geht es vielleicht um neue Erkenntnisse zum Holocaust.

"Ich bin kein Schatzjäger", betont auch Expeditionsleiter Svoray. Kritiker belächeln den ehemaligen Fallschirmjäger als verrückten Abenteurer und Indiana Jones. Es gehe ihm darum, die Wahrheit herauszufinden und Geschichte sichtbar zu machen, sagt Svoray. Wenn er mit seinen Leuten demnächst etwas aus dem schlammigen Grund des Stolpsees heben sollte, wolle er den Fund in jedem Fall der deutschen Regierung übergeben.

Quelle: n-tv.de, Haiko Prengel, dpa

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