Panorama
Donnerstag, 27. März 2008

Mozzarella-Alarm: Italien warnt vor Psychose

Die Hiobsbotschaften für den weißen, saftig- säuerlichen Mozzarella-Käse aus süditalienischer Büffelmilch reißen nicht ab. Erst grassiert die Infektionskrankheit Brucellose in Kampanien und zwingt tausende Büffel in die Schlachthäuser. Jetzt bringen erhöhte Dioxin-Werte den weltweit bekannten "Mozzarella di bufala" in die Schlagzeilen - asiatische Länder wie Südkorea und Japan stoppen die Importe und wollen angelieferten Mozzarella erst selbst auf Spuren des hochgiftigen Dioxin hin überprüfen. Italien warnt vor einer "Psychose", und die Produzenten sehen ihre Felle wegschwimmen. Auch die EU hat sich eingeschaltet, verlangt mehr Informationen, als die Italiener bisher zu schicken bereit waren.

Die Delikatesse ist weltweit geschätzt, weich und rund - und zunehmend auch gebeutelt: "Wir haben in zwei Monaten bereits 30 Millionen Euro an Umsatz verloren, wenn das so weitergeht, bricht der ganze Sektor zusammen", warnte das Mozzarella-Konsortium der Region rund um Neapel. Erst sorgten um die Welt gehende Fernsehbilder von den zum Himmel stinkenden Müllbergen Neapels für einen starken Rückgang beim Absatz, weil Feinschmecker Angst vor Giften wie Dioxin in der außen festen und innen feuchten Käsekugel hatten. Das war zunächst nur eine Befürchtung - doch nun ergaben Kontrollen in der Tat zumindest leicht erhöhte Giftwerte.

"Mozzarella-Alarm", so schallt es durch den italienischen Blätterwald, und kaum ein Tag vergeht ohne neue Nackenschläge für die etwa 2500 Büffelzüchter im Land und die Mozzarella-Käsereien. Schon um 40 bis 60 Prozent schrumpften die Verkäufe im Im- und Export in diesem Jahr, hält der regionale Arbeitgeberverband der Büffel- Hochburg Caserta nördlich von Neapel fest. Immerhin hängen etwa 20 000 Arbeitsplätze von der feinen Käsekugel ab, die rund um Neapel mit dem DOP-Gütesiegel der geschützten Herkunftsbezeichnung produziert wird. Bei 300 Millionen Euro lag der Jahresumsatz vor der Krise, mit Exporten vor allem nach Deutschland, in die USA und die Schweiz. Den meisten Mozzarella - etwa vier Fünftel - verspeisen die Italiener aber selbst, mit Tomaten und Basilikum oder auf der Pizza.

Was das starke "Seveso-Gift" Dioxin angeht, so hat das römische Gesundheitsministerium erst nach einigem Brüsseler Drängen Analysen an die EU geschickt: In 25 von 130 inspizierten Mozzarella-Käsereien wiesen die Experten Dioxin-Spuren "leicht über dem Limit" nach. In einer Vorsichtsmaßnahme wurden insgesamt 83 Büffel- Zuchtbetriebe in Kampanien vorerst geschlossen, gegen 109 Personen ermitteln die Staatsanwälte. Und einmal mehr ist auch davon die Rede, dass die Camorra, Kampaniens Mafia, ihre Hände mit im Spiel habe: Der Müllnotstand von Neapel bringt ein prima Geschäft, illegal verbrannter Abfall kann jedoch das Weidegras ringsherum verseuchen.

Die EU-Grenzwerte für Dioxin in Nahrungsmitteln sind strikt und messen sich in Pikogramm - ein billionstel Gramm. "Nicht mehr als 3 Pikogramm sollen es sein, und nur in wenigen Fällen wurde das etwas überschritten", versucht Paolo Sarnelli, leitender Veterinär in der Region Kampanien, die Wogen zu glätten. "Dieser Mozzarella-Alarm ist völlig überzogen und unangebracht", springt ihm auch Außenminister Massimo D'Alema zur Seite. Derweil laufen weitere Hiobsbotschaften ein: "Auch die USA und Großbritannien verstärken die Kontrollen für den Mozzarella an den Grenzen", notiert am Donnerstag die römische "La Repubblica". Und malt eine deutsche Käse-Blockade an die Wand - immerhin gingen jährlich gut 850 Tonnen Mozzarella nach Deutschland.

Von Hanns-Jochen Kaffsack, dpa

Quelle: n-tv.de