Panorama

Täglich 60 Minuten unterwegs Jeder Zweite fährt mit dem Pkw zur Arbeit

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Trotz häufiger Staus ist das Auto das liebste Verkehrsmittel der deutschen Arbeitnehmer.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ob Stau oder nicht: Mehr als die Hälfte der Deutschen fährt mit dem Auto zur Arbeit. Umweltschonend ist dies zwar nicht, doch für Wege, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad nicht machbar sind, fehlt es an Alternativangeboten.

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Stiftungsleiter Ulrich Reinhardt

(Foto: Stiftung für Zukunftsfragen)

Um den Arbeitsplatz zu erreichen, nutzt jeder zweite Berufstätige den eigenen Pkw. Somit ist das Auto das mit großem Abstand wichtigste Verkehrsmittel für den Weg zur Arbeit. Nur jeder Sechste entscheidet sich für öffentliche Verkehrsmittel - ähnlich unbeliebt sind das Fahrrad und die eigenen Füße. Dies geht aus einer aktuellen Untersuchung der Stiftung für Zukunftsfragen über den Arbeitsweg der Deutschen hervor.

"Trotz hoher Spritpreise und zahlreicher Staus fahren die Deutschen am liebsten mit dem eigenen Wagen zur Arbeit", so der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Professor Dr. Ulrich Reinhardt. Doch wieso? Reinhardt liefert drei Hauptgründe: "Erstens das fehlende Alternativangebot, zweitens die eigene Bequemlichkeit und drittens das Gefühl von Individualität zwischen selbstgewählter Strecke, eigener Geschwindigkeit und persönlichem Radiosender."

Alternative Fahrgemeinschaft

Eine umweltschonende und dennoch bequeme Alternative stellen Fahrgemeinschaften dar. Doch deren Zahl steigt in Deutschland nur langsam. Lediglich vier Prozent der Beruftätigen nehmen einen Kollegen mit. Jeder siebte Arbeitnehmer macht sich zu Fuß auf den Weg und nur jeder Zehnte entscheidet sich für das Fahrrad. Innerhalb der Berufsgruppen treten deutliche Unterschiede auf: Ein Drittel der Selbstständigen läuft zur Arbeit, fast die Hälfte der Auszubildenden benutzt Bus und Bahn, während 84 der Beamten den eigenen Wagen vorziehen.

Wie lange brauchen sie für die Strecke zum Arbeitsplatz? Im Schnitt dauert der Hin- und Rückweg für die Arbeitnehmer rund 60 Minuten. Vor allem in großen Städten wie Berlin und Hamburg braucht man für die Fahrt wegen Staus und Baustellen oft länger, während die Thüringer den schnellsten Weg zur Arbeit haben. "Um das Verkehrschaos in vielen Städten und Gemeinden während der Rushhour zu bewältigen und gleichzeitig auch einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, müssten öffentliche Verkehrsmittel in erster Linie zeitliche und finanzielle Einsparungen ermöglichen", erklärt Reinhardt.

Um mehr Arbeitnehmer zur Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel zu motivieren, ist laut Reinhardt zum einen ein konsequenter Ausbau nötig - also mehr Busse und Bahnen in kürzeren Abständen. Zudem müsse sich die Abkehr vom Auto auch finanziell rechnen. Ansonsten würde das weit verbreitete Motto weiterhin heißen: "Lieber Stau als im Bus", so Reinhardt.

Quelle: ntv.de, sno