Panorama

Grippeimpfung vor dem Winter Jeder Zweite geht leer aus

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(Foto: dapd)

Kurz vor dem Einbruch des Winters gibt es erhebliche Probleme bei der Versorgung mit Grippeimpfungen. Erst kann der Hersteller Novartis nur schleppend liefern, dann verschickt er auch noch mehrere mangelhafte Chargen. Exklusivverträge zwischen Krankenkassen und Pharmabranche verhindern, dass andere Hersteller kurzfristig einspringen.

Deutschland fehlen Grippeimpfstoffe. Wie "Spiegel Online" berichtet, könnte jeder zweite Impfwillige leer ausgehen. Grund ist der Verkaufsstopp für die Novartis-Impfstoffe Begripal und Fluad. Das Paul-Ehrlich-Institut hatte am Donnerstag die Freigabe der beiden Impfstoffe aus Sicherheitsbedenken zurückgenommen. Mehrere Chargen wiesen "Ausflockungen" auf. Hinzu kommt, dass Novartis auch vorher schon Lieferschwierigkeiten bei Grippeimpfstoffen hatte.

Wer sich impfen lassen sollte

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt Grippeschutzimpfungen für

  • chronisch Kranke,
  • Menschen über 60,
  • Schwangere,
  • Medizinpersonal.

Diese Risikogruppen sollten sich vor jeder Grippesaisonimpfen lassen, also im Oktober oder November.

Nach Angaben von "Spiegel Online" sind Ersatzprodukte von Firmen wie Sanofi-Pasteur und Ratiopharm schon ausverkauft, viele Apotheken warten vergeblich auf bestellte Lieferungen. Am stärkste betroffen ist Bayern, wo die Krankenkassen sich exklusiv an Novartis gebunden und 1,9 Millionen Impfdosen bestellt hatten.

"Wir haben in Bayern nur ungefähr 800.000 Dosen des Impfstoffs erhalten", sagte Thomas Metz, Sprecher des Bayerischen Apothekenverbandes. "Und ich weiß nicht, wo wir den Rest nun herkriegen sollen." Laut Metz verfügt Bayern nur über Impfdosen für die Hälfte der Personen, die sich normalerweise impfen lassen wollen.

Engpässe auch in Schleswig-Holstein und Hamburg

Die Vorlaufzeit für die Produktion von Impfstoffen ist lang, dauert mindestens zwei Monate. Etliche Hersteller haben angesichts diverser Exklusivverträge mit Krankenkassen nur begrenzte Mengen hergestellt. Rechtzeitig zur Grippesaison ist eine Nachproduktion nun nicht möglich. "Wir bekommen täglich Anfragen vom Großhandel und von Apotheken, aber wir sind de facto ausverkauft", sagte Andreas Sander, Geschäftsführer von Sanofi Pasteur MSD. Der Geschäftsführer des Impfstoffherstellers Ratiopharm, Sven Dethlefs, sagte: "Wir haben quasi nichts mehr."

Neben Bayern sind auch Schleswig-Holstein und Hamburg betroffen, wo Krankenkassen ebenfalls exklusiv bei Novartis Grippeimpfstoff bestellt haben. In Hamburg gibt es laut "Spiegel Online" für weniger als vier Prozent der Bevölkerung Impfdosen. Novartis hatte in der vergangenen Woche als Ersatz den Impfstoff Optaflu geliefert, den viele Ärzte aber wegen Sicherheitsbedenken ablehnen.

Quelle: ntv.de, ieh

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