Panorama

Böhmermanns "Schmähkritik" Justiz nimmt ZDF-Verantwortliche ins Visier

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Jan Böhmermann hat mit seiner "Schmähkritik" aufgezeigt, was Satire in Deutschland darf und was sie nicht darf.

(Foto: dpa)

Die Causa Jan Böhmermann schlägt weiter hohe Wellen. Die Staatsanwaltschaft prüft nun auch Anzeigen gegen ZDF-Verantwortliche. Derweil fliegen in Istanbul faule Eier gegen das ZDF-Studio.

Das umstrittene Schmähgedicht von Jan Böhmermann über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sorgt weiter für Aufregung. Bei der Mainzer Staatsanwaltschaft sind nun auch Anzeigen gegen Verantwortliche des ZDF eingegangen. Diese würden ebenfalls geprüft, teilte die Leitende Oberstaatsanwältin Andrea Keller mit.

Die zuvor bei der Behörde eingetroffenen Anzeigen von Privatpersonen hatten sich den Angaben zufolge gegen Böhmermann selbst gerichtet. Um welche Verantwortliche des Senders es sich handelte, teilte die Staatsanwaltschaft nicht mit. Sie ermittelt wegen des Verdachts der Beleidigung von Organen oder Vertretern ausländischer Staaten. 

Derweil bewarfen aufgebrachte Demonstranten in Istanbul das ZDF-Studio mit faulen Eier. "Es stinkt heute noch", zitierte der "Tagesspiegel" einen nicht näher bezeichneten Verantwortlichen: "Wir wurden Zielscheibe des Zorns."

Demnach hatten sich am Samstag etwa 30 Personen vor dem Gebäude versammelt, mit Eiern geworfen und eine Entschuldigung des ZDF gefordert. Auf Deutsch sei auf Schildern zu lesen gewesen: "Ein Zurückziehen des Hassbeitrages des ZDF mit einer mageren Begründung reicht nicht aus."

"Dreckskerl, du bist ein Hetzer."

Auch die türkische Presse macht offenbar mächtig Druck. Laut "Tagesspiegel" heißt es in der Zeitung "Sabah", die als Erdogan-nah gilt: "Wann geht Böhmermann?". Besitzer von "Sabah" ist Calik Holding,Erdogans Schwiegersohn. Sabah-Chefredakteur Mikdat Karaaliogu habe das Thema in einem Artikel kommentiert mit dem Titel: "Dreckskerl, du bist kein Humorist, sondern ein Hetzer."

Die Staatsanwaltschaft Mainz hatte am Mittwoch strafrechtliche Ermittlungen gegen Böhmermann eingeleitet. Es geht um ein mit "Schmähkritik" überschriebenes Gedicht, das der Satiriker im Neo Magazin Royale" vorgelesen hatte. So hatte er Erdogan unter anderem als "Ziegenficker" geschmäht. Dabei hatte er darauf hingewiesen, dass so etwas in Deutschland nicht erlaubt sei.

Die Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhaupts kann nach Paragraf 103 des Strafgesetzbuches mit bis zu drei Jahren Gefängnis geahndet werden, wenn die Beleidigung in verleumderischer Absicht erfolgt, sogar mit bis zu fünf Jahren.

Das ZDF hatte den Beitrag in der Wiederholung in der Nacht zum Samstag sowie bei den Online-Ausspielwegen gestrichen. Zur Sicherung der Beweise hat die Staatsanwaltschaft mittlerweile bei dem Sender einen Mitschnitt der Sendung angefordert.

Quelle: ntv.de, dsi/dpa