Panorama

"Alles Blödsinn, was die da schreiben" Kachelmann wettert im Web

Wettermoderator Jörg Kachelmann rechnet wohl nicht mehr mit einer Rückkehr ins ARD-Programm und setzt stattdessen auf das Internet. Seine ersten Auftritte nach dem Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung geraten eher hölzern.

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Locker zeigt sich der Moderator, verkrampft hingegen gerät die Moderation.

Jörg Kachelmann ist wieder da. Wer ihn sehen will, muss ins Internet. Etwas blass und wenig locker steht der Schweizer in einem schlecht beleuchteten und weiß gestrichenen Kellerstudio und hält Selbstgemaltes sowie Computerausdrucke seiner Firma "Unwetterzentrale" in die Kamera.

Bei seinem kurzen Beitrag echauffiert er sich über die "unseriösen Wetterstationen in Deutschland" und lässt auch seine Häme gegen die zurzeit "furchtbarste Zeitung Deutschlands" nicht aus: "Alles Blödsinn, was dort steht. Es wird keine neue Elbeflut geben". Zwar regne es ganz gehörig im Südosten Deutschlands, aber Panikmache sei unseriös und damit nicht sein Thema.

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Grafiken werden bei kachelmannwetter nicht mehr eingeblendet, sondern in Papierform präsentiert.

Für den Neuen-Medien-Mann gehört es sich auch, dass er twittert. Hier macht sich Kachelmann über die Vorhersagen seiner Kollegen lustig, die für den Süden Brandenburgs weit über 100 Liter Regen pro Quadratmeter prophezeit hatten. "Hey, Lausitzer Rundschau, 11Liter/qm von 8 bis 20 Uhr gefallen, fehlen noch 90 bis 130 bis zur Vorhersage von Herrn Jung von wetter.net!"

Immer wieder rechnet der Schweizer mit der deutschen Presse ab. Schon als er am 15. Juli – – ins Konferenzcenter am Flughafen Zürich lud, war der Andrang groß. Er rächte sich auf seine Art an den überwiegend aus Deutschland angereisten Medienvertretern, die er seit seiner Verhaftung nicht besonders schätzt: Er sprach sie im Schweizer Dialekt an. "Weil wir hier in der Schweiz sind!"

Neue Geschäftspläne interessieren kaum

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Betont unkonventionell soll der neue Kachelmann sein.

Fast 20 Jahre habe er darauf gewartet, dass man der Meteorologie, die seine Firma Meteomedia so populär gemacht habe, so viel Aufmerksamkeit zolle wie jetzt in Zürich, höhnte Kachelmann. Dabei wusste er wohl, dass sich kaum ein Journalist wegen der neuen Geschäftspläne seines Unternehmens auf den Weg gemacht hatte, sondern alle nur sehen wollten, wie er sich verhält.

Einen Seitenhieb gegen Deutschland, wo er den Alptraum erlebte, in Frankfurt verhaftet worden zu sein und in Mannheim vor Gericht gestanden zu haben – gab es natürlich auch: Schlitzohrig tat er so, als falle ihm gerade erst auf, dass sein neuer Auftritt im Internet unter kachelmannwetter.de abzurufen sei. "Ob das die Schweizer anklicken werden?", sinnierte er. Flugs wies er publikumswirksam seinen Mitarbeiter an, zu prüfen, ob "kachelmannwetter.ch" auch gehe.

Auch bei seinem Unwetterextra auf besagter Website spürt man, dass da einer schwer etwas abarbeitet. "Kurzum, sie können sich weiter seriös informieren, aber nicht dort, wo ich es ihnen vorher gesagt habe, sondern zum Beispiel hier auf diesem Kanal." Auf Hochdeutsch, versteht sich.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa

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