Panorama

Berufung im "Bild"-Prozess Kachelmann will eine knappe Million

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Jörg Kachelmann will Schmerzensgeld: Er wirft der "Bild"-Zeitung eine Hetzkampagne gegen ihn vor.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es ist eine Rekordsumme, die Jörg Kachelmann im vergangenen September zugesprochen wird: 635.000 Euro Schmerzensgeld soll die "Bild"-Zeitung zahlen. Doch das reicht dem Wettermoderator nicht. Die zweite Instanz soll noch "eine Schippe drauflegen".

Es ist eine Rekordsumme: 635.000 Euro soll Jörg Kachelmann von der "Bild"-Zeitung bekommen - als Entschädigung für die Verletzung seines Persönlichkeitsrechts. So hat es das Landgericht Köln im vergangenen Jahr entschieden. Doch der Rechtsstreit geht weiter: Am Morgen begann vor dem Oberlandesgericht Köln das Berufungsverfahren. Springer hatte sofort nach dem Urteil angekündigt, in Berufung gehen zu wollen. Das Argument: Es könne nicht im Interesse einer freien Presse sein, wenn Medien "irrwitzige Geldentschädigungen" zahlen müssten, nur weil sie über aufsehenerregende Strafprozesse gegen bekannte Persönlichkeiten berichteten.

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Zwei mit dem gleichen Ziel: Kachelmann und sein Anwalt Ralf Höcker.

(Foto: dpa)

Aber auch Kachelmann hatte Berufung eingelegt, weil ihm die Entschädigungssumme noch zu niedrig ist. Ursprünglich hatte der 57-Jährige stolze 2,25 Millionen Euro gefordert. Das hatte es zuvor noch nie gegeben - und war auch nicht durchsetzbar. Schon in erster Instanz hatte Richter Dirk Eßer der Auffassung des Wettermoderators widersprochen, er sei Opfer einer Kampagne geworden. Trotzdem äußerte Kachelmanns Anwalt Ralf Höcker bereits damals ein klares Ziel: "Das Urteil muss Springer richtig wehtun, sonst erzielen wir keinen Abschreckungseffekt", sagte er. Kachelmann will nun 950.000 Euro erstreiten. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass die zweite Instanz nochmal eine Schippe drauflegen wird".

Die bereits zugesprochene Entschädigungssumme in Höhe von 635.000 Euro verteilt sich auf 38 Fälle schwerwiegender Persönlichkeitsrechtsverletzungen in verschiedenen Verlagstiteln des Springer-Konzerns - geklagt hatte Kachelmann in über 150 Fällen. Dabei ging es um die Berichterstattung über den Prozess, in dem der Wettermoderator 2011 vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden war. Kachelmann sieht sich durch die Berichte weiter Teile der Medien verleumdet. Er wirft ihnen Voreingenommenheit und Falschinformation vor. Aber auch gegen konkrete Personen richtet sich sein juristischer Feldzug.

Kachelmanns Feldzug vor Gericht

Erst im März hatte Kachelmann vor Gericht eine Niederlage gegen Alice Schwarzer einstecken müssen. Dabei ging es um einen Artikel Schwarzers für die "Bild"-Zeitung, für die sie über den damaligen Prozess gegen Kachelmann berichtet hatte. Darin hatte die 73-Jährige geschrieben, Frauen würden Kachelmann vor Gericht vorwerfen, in ihrer Beziehung "gewalttätig" gewesen zu sein. Seine Anwälte betrachten das als einen Eingriff in die Intimsphäre. Faktisch habe das für das Verfahren keine Rolle gespielt.

Das Oberlandesgericht hatte anders geurteilt. Der Absatz sei als wertende Zusammenfassung zulässig, weil danach auf die einzelnen Aussagen der Frauen Bezug genommen worden sei. Und diese Passagen seien nicht beanstandet worden. Auch gegen dieses Urteil will Kachelmann in Berufung gehen.

Quelle: ntv.de, jug/dpa