Panorama

Informations-Wirrwarr um "Arctic-Sea" Kapitän bleibt auf Schiff

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Die Heimreise der befreiten Seeleute begann im Boot, später ging es mit dem Flugzeug weiter.

(Foto: dpa)

Die Besatzung des vor vier Tagen wieder aufgetauchten Frachters "Arctic Sea" ist entgegen erster Angaben doch nicht vollständig in Moskau gelandet. Der Kapitän sowie drei weitere russische Seeleute seien noch immer auf einem Schiff vor dem westafrikanischen Inselstaat Kap Verde.

Das teilte das russische Außenministerium nach Angaben der Agentur Interfax mit. Zuvor hatte es unter Berufung auf das Verteidigungsministerium geheißen, alle 15 befreiten Seeleute seien mit russischen Militärmaschinen in Moskau gelandet.

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Ein mutmaßlicher Geiselnehmer wird abgeführt.

(Foto: dpa)

An Bord der insgesamt drei Flugzeuge vom Typ Iljuschin Il-76 seien elf Crewmitglieder, die mutmaßlichen acht Piraten sowie die Ermittler gewesen, teilten die Behörden in Moskau mit. Die vier fehlenden Seeleute würden noch weiter Dienst vor der westafrikanischen Küste Dienst tun, hieß es ohne nähere Angaben. Alle Besatzungsmitglieder würden erst freigelassen, wenn klar sei, dass sie nicht mit dem Überfall auf die "Arctic Sea" Ende Juli in Verbindung stehen, meldete die Agentur Interfax unter Berufung auf Ermittlerkreise.

20 Jahre Gefängnis drohen

Die acht mutmaßlichen Seeräuber seien nach der Landung auf dem Moskauer Militärflughafen Tschkalowski in Untersuchungshaft gebracht worden, teilte das russische Außenministerium mit. Das Staatsfernsehen zeigte, wie die Gefesselten von Militärs aus dem Flugzeug abgeführt wurden.

Nach Angaben der russischen Staatsanwaltschaft drohen den festgenommenen Esten, Letten und Russen 20 Jahre Gefängnis. Sie sollen den angeblich mit Holz beladenen Frachter Ende Juli gekapert haben.

Holz oder Waffen an Bord?

Militärexperten hatten angesichts der widersprüchlichen Informationen um den Frachter die These aufgestellt, auf der angeblich mit Holz beladenen "Arctic Sea" seien Waffen geschmuggelt worden. Zeitungen schrieben am Donnerstag, dass es sich um Marschflugkörper handeln könnte. So seien mit Atomsprengköpfen bestückbare Raketen vom Typ X-55, die aus Sowjetzeiten stammten, bereits in der Vergangenheit in den Iran geschmuggelt worden, berichtete die Moskauer Zeitung "Nowyje Iswestija".

Die ukrainische Internetzeitung "Obosrewatel" ("Beobachter") berichtete ohne Angabe von Quellen, dass vier X-55-Raketen bei einer Reparatur der "Arctic Sea" in der russischen Ostseeregion Kaliningrad an Bord gebracht worden seien. Allerdings hätten sich in den Kisten keine atomaren Sprengköpfe befunden.

Russlands NATO-Botschafter Dmitri Rogosin hatte am Mittwochabend vor Spekulationen um die Fracht gewarnt. Er rief die internationale Staatengemeinschaft aus, sich lieber mit dem wachsenden Problem der Piraterie auseinanderzusetzen.

Quelle: ntv.de, dpa

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