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Weihnachten ist Schluss Kardinal Meisner tritt ab

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(Foto: dpa)

Der Erzbischof von Köln, Kardinal Meisner, will in den Ruhestand gehen. Wenn er am ersten Weihnachtstag 80 wird, soll Schluss sein. Die katholische Kirche verliert mit ihm einen scharfen Redner und provozierenden Konservativen.

Joachim Kardinal Meisner will mit Vollendung seines 80. Lebensjahres sein Amt als Erzbischof von Köln aufgeben. Das wäre am 25. Dezember dieses Jahres. Er werde ein entsprechendes Gesuch im Vatikan einreichen, sagte der Kardinal. "Dann sollte es auch mal gut sein." Er rechne "sehr stark" damit, dass der Papst seinem Wunsch entsprechen werde. Meisner steht seit 1989 an der Spitze der größten deutschen Diözese.

Sein Nachfolger ist noch nicht bekannt. Meisner sagte, er habe darüber weder mit Papst Benedikt XVI. noch mit Papst Franziskus je gesprochen. Meisners eigener Ernennung war ein langes Tauziehen zwischen Papst Johannes Paul II. und dem Kölner Domkapitel vorausgegangen - Meisner galt schon damals als eher konservativ, Kritiker sagten, er passe nicht zum eher liberalen rheinischen Katholizismus.

Geboren wurde Meisner 1933 im niederschlesischen Breslau, nach dem Krieg ging seine Mutter mit ihm nach Thüringen. Er wurde in der DDR zum Priester geweiht. 1980 wurde Meisner Bischof von Berlin - das Bistum umfasste sowohl West- als auch Ostberlin. Kölner Erzbischof wurde Meisner 1989 nach einem längeren Streit zwischen Rom und dem Kölner Domkapitel, in den sich auch die Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz einschalteten, in deren Ländern das Erzbistum liegt.

Abtreibungen mit Holocaust verglichen

Im Ruhestand will Meisner seine Memoiren schreiben. Er werde weiter in Köln bleiben, aber nicht mehr im erzbischöflichen Haus wohnen, sagte er. Meisner gilt als profiliertester konservativer Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland. Immer wieder machte er bundesweit Schlagzeilen, etwa wenn er Abtreibungen mit den Verbrechen der Nazis verglich.

In diesem Jahr überraschte er mit einer Kehrtwende bei der "Pille danach": Zwei katholische Krankenhäuser in Köln hatten eine vergewaltigte Frau abgewiesen, woraufhin eine Welle der Empörung über die Kirche hereinbrach. Daraufhin ließ Meisner die "Pille danach" für vergewaltigte Frauen plötzlich doch zu, weil neuere Präparate keine abtreibende Wirkung mehr hätten. Die Deutsche Bischofskonferenz folgte seiner Linie.

"Wenn ein Haus brennt, kann ich nicht erst alle Bischöfe zusammentrommeln", sagte Meisner jetzt zu seinem Alleingang. "Ich brauchte nicht die Zustimmung der Bischöfe, ich brauchte die Zustimmung Roms, und die habe ich gehabt."

Quelle: ntv.de, hvo/dpa