Panorama

Mit Papa im Tower Kinder als Fluglotsen

Die US-amerikanische Luftaufsichtsbehörde ist nicht amüsiert: Auf dem New Yorker JFK-Flughafen hatten zwei kleine Kinder kurzzeitig die Kontrolle übernommen.

Piloten mehrerer Fluggesellschaften auf dem New Yorker John-F.-Kennedy-Flughafen dürften gestaunt haben, als ihnen kindliche Stimmen die Startfreigabe erteilten. Mitschnitte des Funkverkehrs von Mitte Februar, die jetzt im Internet auftauchten, lassen einen Jungen mit den Worten "JetBlue 171, cleared for take off" hören. "Comair 7-4-4- clear for take off", wies ein kleines Mädchen tags darauf einen anderen Piloten zum Abflug an. US-Medien berichteten, dass die kurzen Funksprüche seiner Kinder einem 48-jährigen Fluglotsen auf Long Island vor New York City nun den Job zu kosten drohen.

Piloten sind amüsiert

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Am JFK werden die Mitarbeiter immer jünger.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die meisten Piloten, die die Freigabe zum Start von hohen Kinderstimmen erhielten, reagierten amüsiert, berichtete FoxNews am Donnerstag. "Ich wünschte, ich könnte mein Kind mit zur Arbeit bringen", gab ein JetBlue-Pilot zurück an den Tower. Nach Angaben des Senders erlaubte der Fluglotse seinem siebenjährigen Sohn, drei Passagierflugzeuge auf dem Rollfeld abzufertigen.

Am nächsten Tag brachte er seine Tochter mit zur Arbeit und ließ sie mit zwei weiteren Piloten sprechen. Ihr Alter war zunächst nicht bekannt. Nach Angaben des Senders CBS deutete die Stimme des Mädchens darauf hin, dass es jünger als sein Bruder ist.

Wenig Verständnis bei der FAA

Die amerikanische Luftfahrtaufsichtsbehörde FAA zeigte wenig Verständnis für den Fluglotsen und hat inzwischen eine Untersuchung angeordnet. "Dieses Verhalten ist inakzeptabel und nicht vereinbar mit der Professionalität, die wir täglich von unseren Mitarbeitern erwarten", teilte die Behörde mit. Der Mann sei suspendiert.

Die "New York Times" datierte den ersten Vorfall auf den 16. Februar. Danach fragte der Junior seinen Vater im Tower: "Papa, kann ich diesen schönen Flugzeugen beim Start helfen?" Laut FAA ließ der Vater ihn mit fünf Cockpits sprechen und drei Startfreigaben erteilen. Nach einer Ansage des Jungen ist die Stimme des Vaters auf dem Band zu hören: "So sieht es aus, Jungs, wenn die Kinder nicht mehr in der Schule sind."

"Adios, amigos"

Der angesprochene Pilot quittierte die Startfreigabe des Jungen mit lobenden Worten: "JetBlue 171 ist auf dem Weg zum Start. Gut gemacht!" Anschließend startete die Maschine in Richtung Sacramento (Kalifornien). Ebenfalls von dem Junior auf den Weg geschickt wurde ein Flugzeug der Linie Aeromexico mit Ziel Mexico-Stadt. Eines der beiden Kinder amüsierte einen mexikanischen Piloten mit dem Abschiedsgruß "Adios, amigos".

"Es gab keinen Stress"

Luftfahrtkenner wollen den Fall nicht überbewertet sehen. "In der Pilotenszene wird das eigentlich als eine gute Sache angesehen, dass ein Vater seinen Sohn mit zur Arbeit bringt", sagte der Pilot Dave Pascoe dem Sender. "Die Situation im Tower war unter Kontrolle, es gab keinen Stress, und der Vater stand dabei." Er sehe keinen Grund für eine Disziplinarmaßnahme, sagte Pascoe, auf dessen Internetseite der Funkverkehr veröffentlicht wurde.

Die "New York Times" bedauerte mit einem Augenzwinkern, dass der Fluglotse nicht den 22. April abgewartet hatte. An diesem Tag, dem "Take Your Child to Work Day", dürfen alle Eltern in den USA ihren Nachwuchs mit an den Arbeitsplatz bringen und zeigen, wo sie die Zeit verbringen, während ihre Kleinen die Schulbank drücken.

Quelle: n-tv.de, dpa

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