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Marx spricht sich für "Bußzeit" aus Kirche erwägt Gnade für Geschiedene

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Die katholische Kirche scheint ihre Haltung zu Geschiedenen immer mehr zu überdenken.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wer geschieden ist, hat in der katholischen Kirche keine gute Karten. Doch nun spricht sich der oberste deutsche Katholik, der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz Marx, für eine entspanntere Sicht der Dinge aus.

Die Ehe ist in der katholischen Kirche heilig - sie gilt als Bund fürs Leben, der vor Gott geschlossen wird. Daher sind die Kirchenoberen auch so strikt gegen die Scheidung. Doch nun deutet sich eine gewisse Entspannung an. Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat einen milderen Umgang seiner Kirche mit geschiedenen und wieder verheirateten Katholiken in Aussicht gestellt.

Bei der Frage, ob man diese Gläubigen wieder zu den Sakramenten zulassen könne, verwies der Münchner Erzbischof in der "Welt am Sonntag" auf einen Vorstoß des deutschen Kardinals Walter Kaspar. Bei einem Kardinalstreffen in Rom habe Kaspar vorgeschlagen, "dass Geschiedene, die ihr Scheitern anerkennen, nach einer Bußzeit eine Wiederzulassung zu den Sakramenten beantragen können."

Die Kardinäle hätten sehr unterschiedlich auf diesen Vorschlag reagiert, sagte Marx. "Ich persönlich halte ihn für einen gangbaren Weg, der aber immer auf einzelne Fälle bezogen sein muss." Er warnte zugleich vor einer stärkeren Dezentralisierung.

Nicht der erste Schritt

"Ich sage klar: Wir brauchen eine starke Zentrale. Rom ist wichtig für die katholische Kirche. In den großen, wichtigen Fragen wie etwa auch dem Zölibat oder der Frage der wiederverheiratet Geschiedenen wird weiterhin eine gemeinsame, gesamtkirchliche Entscheidung notwendig sein." Der 60-Jährige war am Mittwoch in Münster zum neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt worden.

Neue Positionen in Bezug auf Geschiedene hatte auch der frühere Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, eingenommen. Dieser sorgte bereits im vergangenen Oktober dafür, dass Geschiedene unter Umständen wieder in den Genuss von Sakramenten wie der Kommunion kommen konnten. Das Seelsorgeamt der Freiburger Diözese hatte eine entsprechende Handreiche herausgegeben. Auch Papst Franziskus hatte mehr "Barmherzigkeit" für Geschiedene gefordert. Dem maß er größte Wichtigkeit bei - denn sonst falle das "moralische Gebäude der Kirche wie ein Kartenhaus" zusammen.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa

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