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Erzbischof Gerhard Ludwig Müller bei einer Predigt im Dom St. Peter in Regensburg (Archivbild).
Erzbischof Gerhard Ludwig Müller bei einer Predigt im Dom St. Peter in Regensburg (Archivbild).(Foto: picture alliance / dpa)
Freitag, 01. Februar 2013

Erzbischof sieht "Pogromstimmung": Kirche fühlt sich verfolgt

Nach Ansicht des Chefs der Glaubenskongregation im Vatikan gibt es eine künstlich erzeugte Wut gegen die katholische Kirche, die "an eine Pogromstimmung erinnert". Erzbischof Müller stellt die katholische Kirche als Opfer von Angriffen dar, die ihre Wurzel im Nationalsozialismus und Kommunismus haben.

Der Chef der Glaubenskongregation des Vatikans, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, sieht eine "Pogromstimmung" gegen die katholische Kirche aufkommen. Der "Welt" sagte Müller, es gebe "gezielte Diskreditierungskampagnen gegen die katholische Kirche in Nordamerika und auch bei uns in Europa". Diese hätten erreicht, "dass Geistliche in manchen Bereichen schon jetzt ganz öffentlich angepöbelt werden", so Müller.

Nach Müllers Ansicht wächst so eine künstlich erzeugte Wut, "die gelegentlich schon heute an eine Pogromstimmung erinnert". Laut Duden sind Pogrome Ausschreitungen gegen nationale, religiöse oder rassische Minderheiten. Durch Begriffe wie "Judenpogrom" und "Reichspogromnacht" ist das Wort stark mit dem Antisemitismus des 19. Jahrhunderts und der Nationalsozialisten konnotiert.

Keine Pfarrerinnen, Zölibat bleibt

Müller stellt die katholische Kirche als Opfer von Angriffen dar, die ihre Wurzel im Nationalsozialismus und Kommunismus haben. Im Internet und auch im Fernsehen würden Attacken gegen die katholische Kirche geritten, deren Rüstzeug zurückgehe auf den Kampf der totalitären Ideologien gegen das Christentum, sagte er. Bevor er im vergangenen Jahr von Papst Benedikt XVI. zum Präfekten der Glaubenskongregation ernannt wurde, war Müller Bischof von Regensburg.

Zum innerkirchlichen Dialog in Deutschland wie zwischen Bischöfen und kritischen Laien meinte Müller, man müsse dabei auch über das Wesentliche reden "und nicht die gleichen Probleme immer wieder neu auftischen". Das geforderte sakramentale Weiheamt für Frauen beispielsweise sei unmöglich, die katholische Kirche könne auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht akzeptieren. "Solche Partnerschaften sind grundsätzlich in keiner Weise mit den Ehen gleichzustellen." Müller bekräftigte auch, am Pflichtzölibat für Priester festzuhalten, denn deren Ehelosigkeit entspreche "dem Beispiel und dem Wort Jesu".

"Bizarre Äußerungen"

Der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) sprach von bizarren Äußerungen des Bischofs. "Es wirkt geradezu grotesk, wenn Müller angesichts der offenkundigen Unfähigkeit seiner Kirche, mit dem jahrzehntelang vertuschten weltweiten sexuellen Missbrauch durch Geistliche in redlicher Weise aufzuräumen, die Kirche in der Rolle eines unschuldigen Opfers sieht", erklärte HVD-Vizepräsident Helmut Fink in einer in Berlin verbreiteten Mitteilung. Die Vergleiche Müllers zeigten wieder einmal, wie fremd der römischen Kirche die Werte der Aufklärung und der offene Umgang mit Kritik auch heute noch seien.

Quelle: n-tv.de