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Gemeinsames Papier von Bischofskonferenz und EKD Kirchen wollen Armen helfen

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Zollitsch (l.) und Schneider (r.) bei einer gemeinsamen Messe in München.

(Foto: APN)

Die Kirchen zeigen sich von ihrer linken Seite: Im ersten gemeinsamen Papier seit 17 Jahren fordern Bischofskonferenz und EKD mehr Chancen für Menschen "am unteren Rand der Gesellschaft". Die Kirchenleute meinen, die Wurzel des Übels gefunden zu haben.

Die Kirchen in Deutschland stellen sich an die Seite der sozial Schwachen - in ihrer ersten gemeinsamen Erklärung seit 17 Jahren fordern sie Kontrollen des Finanzmarktes und mehr Hilfen für die Armen. Gier und Maßlosigkeit, die zur Finanzkrise geführt hätten, zersetzten den gesellschaftlichen Zusammenhalt, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Wirtschaftliche Aktivitäten seien kein Selbstzweck, Gewinnmaximierung um jeden Preis moralisch inakzeptabel.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider stellten die Initiative mit dem Titel "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft" in Frankfurt vor.

"Die Finanzmarktkrise der Jahre 2007-2009 war die Folge menschlichen Versagens auf ganz unterschiedlichen Ebenen", heißt es dort. "Zu Recht ist die Maßlosigkeit und eine zum Teil bis ins Kriminelle gesteigerte Selbstherrlichkeit und Gier mancher Finanzmarktakteure kritisiert worden." Deshalb seien internationale ordnungspolitische Weichenstellungen nötig, der Staat müsse einem Missbrauch der Freiheit Grenzen setzen.

Die Illusion der Beherrschbarkeit von Risiken sei ein Hauptgrund für die Krise gewesen. Geld müsse eine strikt dienende Funktion haben. "Insbesondere die Finanzmärkte müssen sich wieder in Richtung einer dienenden Rolle wandeln."

Erstes gemeinsames Papier seit 17 Jahren

Die soziale Marktwirtschaft als gerechter und fairer Ausgleich müsse angesichts der Globalisierung der Wirtschaft weiterentwickelt werden in wirtschaftlicher, sozialer und auch ökologischer Hinsicht, fordern die Kirchen. Ein Schuldenabbau auf Kosten der sozial Schwachen und notwendiger Zukunftsinvestitionen sei nicht hinnehmbar.

Als Leitfrage der zehn gemeinsamen Thesen nennt das Papier die Gerechtigkeit. Die Kirchen hätten dort einen besonderen gesellschaftlichen Auftrag. "Wir beanspruchen keine herausgehobene Kompetenz in ökonomischen oder technischen Sachfragen, und wir verfolgen auch kein bestimmtes politisches Programm." Aber der biblische Schöpfungsauftrag, die Erde zu hüten und zu bebauen, und das Gebot christlicher Nächstenliebe hätten stets auch eine soziale und politische Dimension.

Vor genau 17 Jahren, am 28. Februar 1997, hatten die beiden christlichen Kirchen ihre Erklärung "Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit" veröffentlicht.

In ihrem aktuellen Papier kritisieren die Kirchen, es sei bisher nur unzureichend erreicht worden, die Chancen der Menschen am unteren Rand der Gesellschaft zu verbessern. Allzu häufig werde Armut vererbt. "Damit wollen wir uns als Kirchen nicht abfinden."

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa

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