Panorama

Erster Ebola-Fall in den USA Kommt die Seuche näher?

52419812.jpg

Erhöhte Sicherheit: Ebola-Infizierte müssen abgeschottet werden, um eine Ausbreitung zu verhindern.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ebola hat die USA erreicht. Der erste Krankheitsfall in einem Industrieland macht vielen Angst. Doch die Gefahr einer Epidemie gilt als verschwindend gering. In den USA trifft die Seuche auf ganz andere Bedingungen als in Westafrika.

Was sich derzeit in Sierra Leone abspielt, könnte geradewegs aus einem Endzeitfilm stammen: Ein tödliches Virus hat die zivile Ordnung zerstört. Menschen meiden den Kontakt untereinander, sie trauen sich nicht, ihre Toten zu beerdigen. Wer sich infiziert, dem kann oft nicht mehr geholfen werden. Er wird isoliert und zum Sterben aus dem Dorf gejagt. Ebola hat Teile Westafrikas fest im Griff - und jetzt auch die USA erreicht.

Der Liberianer Thomas Eric Duncan war am 20. September von einem Besuch in seiner Heimat in die USA zurückgekehrt. Eine Woche später zeigte er Symptome, wurde allerdings erst zwei Tage später isoliert. In diesen Tagen war er ansteckend. Alle Personen, mit denen er Kontakt hatte, werden jetzt beobachtet. Noch zeigt allerdings niemand Symptome. Die Behörden sind zuversichtlich, eine Ausbreitung verhindern zu können.

In Afrika ist der Mensch das größte Hindernis

In Industriestaaten ist die Bedrohung durch Ebola deutlich geringer als in Afrika. Zum einen ist die medizinische Versorgung weiter entwickelt, die Hygienestandards sind strenger. Zum anderen ist die Kooperation mit Patienten viel leichter. So glauben in Westafrika manche Infizierte, dass ihnen ein Schamane besser helfen kann als ein Arzt. Ein Medizinmann hat für einen kleinen Pilgertrack gesorgt, als er behauptete, er könne die Krankheit heilen. Der angebliche Wunderdoktor verstarb letzte Woche an Ebola. Gegenüber ausländischen Medizinern herrscht großes Misstrauen. Weiße Helfer werden angegriffen, Angehörige pflegen ihre Kranken zu Hause ohne Schutzmaßnahmen. Der "Liberian Daily Observer", die größte Zeitung des Landes, schrieb in einem Artikel gar, das Virus könne von US-Medizinern als biologischer Kampfstoff entwickelt worden sein und werde in Afrika getestet.

So kritisch die Zustände in Afrika sind, in Deutschland muss man sich keine Sorgen machen. Stephan Günther vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin schließt eine Epidemie aus: "Es ist zwar möglich, dass das Virus mit einem Infizierten nach Europa importiert wird. Aber es wird sich hier nicht weiter verbreiten." Wenn man sich an die Sicherheitsvorkehrungen halte, bestehe nur ein sehr geringes Ansteckungsrisiko.

Vor 47 Jahren ging alles gut

1967 gab es in Deutschland einen ähnlichen Fall: Mehrere Personen hatten sich mit dem Marburg-Virus, welches eng mit Ebola verwandt ist, angesteckt. Die Übertragung konnte damals "in kürzester Zeit unterbrochen werden", so Günther. Einen ähnlich schnellen Erfolg würde er auch im Falle einer Ebola-Infektion in Deutschland erwarten. Denn hierzulande ist man vorbereitet. Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum macht sich keine Sorgen. In Deutschland gibt es routinierte Informationsketten, gesetzliche Standards und Vorgaben, die ein Verhalten im Ernstfall regeln. An mehreren Krankenhäusern gibt es spezielle Isoliereinheiten. Dort können Patienten durch Schleusen, Luftfilter und Spezialkleidung ohne Risiko behandelt werden. Praktisch jede Seuche kann hier an der Ausbreitung gehindert werden. Nur eine sehr große Patientenzahl würde diese Einrichtungen überfordern. Krause ist sich jedoch sicher, dass Ebola "in Deutschland dieses Ausmaß nicht erreichen wird".

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema