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Wie mit einem riesigen Zirkel gezogen bilden die umgeknickten Halme ein beeindruckendes Muster.
Wie mit einem riesigen Zirkel gezogen bilden die umgeknickten Halme ein beeindruckendes Muster.(Foto: dpa)
Dienstag, 29. Juli 2014

Mysteriöses Muster im Getreide: Kornkreis lockt Esoteriker an

Von Martin Morcinek

Ein Weizenfeld in Oberbayern entwickelt über Nacht ungeahnte Anziehungskräfte: Schaulustige pilgern nach Raisting, um ein schwer erklärbares Werk mit eigenen Augen zu sehen. Direkt daneben empfingen Experten tatsächlich deutlich lesbare Signale aus dem All.

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Ein Kornkreis in einem Feld nahe Weilheim zieht Esoterik-Anhänger aus dem gesamten deutschsprachigen Raum an. Tausende Menschen sind seit Entdeckung des Gebildes vor gut einer Woche nach Raisting gekommen, um das aus drei ineinander verschlungenen Ringen bestehende Ornament mit einem Durchmesser von rund 75 Metern zu bestaunen.

Für viele Besucher steht fest, dass der Kornkreis nicht auf natürliche Weise zustande gekommen sein kann. Skeptiker bestaunen die mit großer Präzision und Gleichmäßigkeit umgeknickten Weizenhalme. Wünschelrutengänger untersuchen das Gelände auf eigene Faust. Besonders empfängliche Besucher spüren Energieströmen nach, indem sie sich an ausgewählten Stellen auf den Boden legen, um so von nicht näher bestimmten Kräften zu profitieren.

Rund um Raisting schießen Spekulationen ins Kraut, wie und unter welchen Umständen das Muster entstanden sein könnte. Die Gemeinde Raisting liegt in einer ländlichen Region im Südwesten der bayerischen Landeshauptstadt München und zählt knapp 2200 Einwohner.

"Wir wollen doch Frieden"

"Die Künstler waren Außerirdische mit einer klaren Botschaft", zitiert der Bayerische Rundfunk eine Besucherin in Raisting. "Sie wollen uns sagen, dass sie uns helfen, dass wir nicht weiter beschwindelt werden. Was momentan auf der Welt los ist, das ist ja ein solches Chaos. Wir wollen doch alle was anderes. Wir wollen doch Frieden. Und das unterstützt sowas. Es entsteht etwas, was über den normalen Verstand hinausführt."

Skeptiker, Schaulustige, esoterisch beseelte Besucher: Der Kornkreis zieht sie alle magisch an.
Skeptiker, Schaulustige, esoterisch beseelte Besucher: Der Kornkreis zieht sie alle magisch an.(Foto: dpa)

Ballonfahrer hatten das riesige Gebilde vor rund einer Woche aus der Luft entdeckt. Bald darauf kursierten erste Bilder im Internet. Seitdem pilgern von Tag zu Tag mehr Neugierige nach Oberbayern, um dem Kornkreis einen Besuch abzustatten. Das ungewöhnlich komplex angelegte Phänomen liegt in einem Getreidefeld, dass an die Erdfunkstelle Raisting grenzt.

Mit ihren charakteristischen Parabolantennen und einem sogenannten Radom bildet sie eine spektakuläre Kulisse für die obebayerische Variante der mittlerweile in aller Welt auftretenden Kornkreise ab. Geometrisch stimmige Muster in Getreidefeldern werden seit ihrem ersten Auftreten mit Spekulationen um außerirdische Kontaktversuche oder übersinnlichen Phänomenen in Zusammenhang gebracht.

Die futuristische Anlage bei Raisting steht zum Teil unter Denkmalschutz. Ein Förderverein setzt sich für den Erhalt des Industriedenkmals ein. Die Erdfunkstelle diente der Signalübertragung und dem Datenaustausch mit Kommunikationssatelliten - und war damit tatsächlich Bestandteil einer Art überirdischer Kommunikation. Von hier aus sollen zum Beispiel die TV-Signale von der Mondlandung im Jahr 1969 und die Bilder von den Olympischen Sommerspielen von 1972 in München übertragen worden sein.

Barfuß durchs Getreide: Am Rand des Kornkreises ziehen manche Besucher ehrfürchtig die Schuhe aus.
Barfuß durchs Getreide: Am Rand des Kornkreises ziehen manche Besucher ehrfürchtig die Schuhe aus.(Foto: dpa)
Anlaufstelle für Besucher

Errichtet wurde die Erdfunkstelle allerdings nicht von Außerirdischen oder anderen fremden Mächten, sondern von der Deutschen Bundespost. Nach der Privatisierung übernahm zeitweilig eine Telekom-Tochter den Betrieb. Teile der Erdfunkstelle sind noch immer einsatzbereit. Studenten der TU München nutzen die Anlage, um auf dem Gebiet der Satellitenkommunikation zu experimentieren.

Im Fall des mysteriösen Kornkreises dagegen sind die tatsächlichen Urheber noch vollkommen unbekannt. Seit der Entdeckung aus der Luft, besuchen täglich Hunderte von Menschen das Feld, um das Werk von unbekannter Hand aus der Nähe zu betrachten oder sich einfach der besonderen Atmosphäre hinzugeben.

Landwirt Christoph Huttner, dem das Weizenfeld unweit der Antennen gehört, versicherte, dass er an der Entstehung des Kornkreises nicht beteiligt war. Er vermutet, dass ihn Studenten geformt haben könnten. "Das ist sehr schwierig und wirklich gut gemacht", sagte er.

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Quelle: n-tv.de