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Nach Monaten des Schweigens Krailling-Angeklagter redet

Er soll die Kraillinger Schwestern Chiara und Sharon ermordet haben. Vor Gericht verweigert Thomas S. allerdings die Aussage. Doch plötzlich zeichnet sich eine überraschende Wende ab. Kurz vor dem erwarteten Urteil will der Angeklagte sein Schweigen brechen.

Im Prozess um den Doppelmord an zwei jungen Schwestern aus dem bayerischen Krailling hat der angeklagte Onkel der Mädchen sein Schweigen gebrochen. Er wolle Widersprüche in den verschiedenen Zeugenaussagen darstellen, begründete der wegen Mordes an seinen Nichten Sharon und Chiara angeklagte Thomas S. vor dem Landgericht München II seine plötzliche Bereitschaft zur Aussage. In dem seit zwei Monaten andauernden Prozess hatte er bisher geschwiegen. "Bei einigen Zeugen hatte ich den Eindruck, dass sie gar nicht wussten, was sie sagen", sagte S.

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Will plötzlich Widersprüche in den verschiedenen Zeugenaussagen darstellen: der Angeklagte Thomas S.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Angeklagte hatte seine Aussage auch zur Überraschung seines Verteidigers angekündigt. Eigentlich hätten nach der seit gut zwei Monaten laufenden Beweisaufnahme die Plädoyers beginnen sollen.

Staatsanwalt Florian Gliwitzky sagte, für ihn seien die Vorwürfe der Anklage bisher bestätigt worden. "Ich habe eine Spurenlage, ich habe ein Ermittlungsergebnis - ich erwarte keine Überraschung." Es sei aber gut, wenn der Angeklagte, um den es schließlich in dem Verfahren gehe, sich mit den Fragen des Verfahrens auseinandersetze. Dass es ein Geständnis gibt, glaube er nicht. Er werde sich in seinem Plädoyer auch mit der Frage der besonderen Schwere der Schuld auseinandersetzen.

"Ich finde es gut, wenn er etwas sagt"

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Staatsanwalt Florian Gliwitzky erwartet keine Wende des Prozesses durch die Aussage von Thomas S.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Anwältin der Mutter der getöteten Kinder, Annette von Stetten, sieht den Vorwurf ebenfalls deutlich bestätigt. Die Eltern der Mädchen sind in dem Prozess Nebenkläger. "Ich finde es gut, wenn er etwas sagt", sagte der Vertreter des Vaters, Rechtsanwalt Andreas von Máriássy. "Sonst hätte ich an eine Wand hinplädieren können." Schließlich sei der Angeklagte die Hauptperson des Verfahrens.

Der Doppelmord an der elfjährigen Sharon und der achtjährigen Chiara am 24. März vergangenen Jahres hatte wegen seiner Brutalität bundesweit für Erschütterung gesorgt. Die Mädchen waren mit Messerstichen und einer Hantelstange in einem regelrechten Todeskampf umgebracht worden, die Polizei entdeckte an unzähligen Stellen in der Wohnung ihrer Mutter Blutspuren der Kinder.

Die Mutter hatte die Tatnacht in einer benachbarten Musikkneipe verbracht, die ihr Lebensgefährte betrieb. Bei ihrer Rückkehr in die Wohnung gegen fünf Uhr morgens entdeckte sie ihre leblosen Kinder. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft wollte S. ursprünglich auch die Mutter töten und den Dreifachmord so aussehen lassen, als hätte diese zuerst ihre Töchter getötet und sich dann das Leben genommen. Durch diesen Dreifachmord wollte der verschuldete Onkel laut Anklage an das Erbe der Mutter von Sharon und Chiara kommen.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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