Panorama

Trio-Gitarrist gestorben "Kralle" Krawinkel ist tot

Kralle.jpg

Stephan Remmler (l.), Peter Behrens (M.) und Gert "Kralle" Krawinkel - als "Trio" schrieben sie Musikgeschichte. Jetzt ist Krawinkel gestorben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Er war der unauffälligste Gitarrist, den man sich vorstellen konnte: Gert "Kralle" Krawinkel von Trio. Seine große Zeit erlebt er in den 80er Jahren, jetzt ist er im Alter von 66 Jahren gestorben.

Trio sind nur noch zu zweit: Der Gitarrist der legendären Band der Neuen Deutschen Welle, Gert "Kralle" Krawinkel, ist tot. Das bestätigte der Musikmanager George Glueck unter Berufung auf die Witwe des Trio-Gitarristen. Krawinkel, am 24. April 1947 geboren, starb im Alter von 66 Jahren. Sein musikalischer Weg ist bis in die 90er Jahre untrennbar mit dem Remmlers verbunden.

Remmler und Krawinkel kannten sich seit den 60er Jahren. Beide kamen aus Norddeutschland, der Gitarrist aus Cuxhaven, der Sänger aus Bremerhaven. Von minimalistischen Stücken wie dem Welthit "Da Da Da" waren sie damals allerdings noch weit entfernt. Sie spielten Rhythm & Blues. In den 70ern, als beide Lehramt studierten, machten sie unter dem Namen "Wind" Musik.

In dieser Zeit lernten sie den ehemaligen Zirkusclown und Schlagzeuger Peter Behrens kennen. Das "Trio" war komplett, das im Jahr 1980 begann, Musikgeschichte zu schreiben. Alles war der pure Minimalismus, ein mit größtmöglicher Zurückhaltung herausgeschrienes Statement gegen den Bombast des Rocks oder den Schmalz des Schlagers.

Könige der Minimalisten

Exemplarisch dafür ist das Video zum großen Hit "Da Da Da". Darin hält sich Krawinkel zunächst im Hintergrund. Er steht nicht, er sitzt. Die Gitarre hält er nicht einmal in der Hand, sie steht neben ihm. Ein Hut verdeckt sein Gesicht beinahe. Erst als der Refrain einsetzt, erhebt sich Krawinkel, hängt sich sein Instrument um und greift in die Saiten.

Ganz anders als die immer dicker auftragenden Gitarrenhelden der 70er und 80er Jahre inszenierte sich Krawinkel - gar nicht. Oder, wenn man so will, eben doch, nur total reduziert. Genau wie seine Band. Trio waren die Könige der Minimalisten. Das zeigte sich auch im Wohnort der Band. Nicht Hamburg, Westberlin oder München wurden zur Heimat der Gruppe. Man zog nach Großenkneten bei Oldenburg.

Frühe Auftritte der Band bewiesen, dass sie etwas grundlegend anders machen wollten: "Stephan, kurzgeschoren im übergroßen Anzug, Kralle mit seiner 'Strat', in Jeans, Trainingsjacke vom Großenknetener Sportverein und Strickmütze; und Peter, die 'dynamische Inkonsequenz', dessen Optik ihm alle Chance auf eine Hauptrolle in einer Verfilmung von Wilhelm Buschs 'Max und Moritz' offenhält", schrieb das Magazin "Spot" im Januar 1982.

Solo-Album "Kralle"

Kritiker und Publikum feierten die Band, "Da Da Da" und Nachfolge-Singles wurden nicht nur in Deutschland Hits: In ganz Europa und den USA fand das Stück etliche Fans. 1986 löste sich die Band schließlich auf. Während Remmler eine Solokarriere startete, blieb Krawinkel im Hintergrund. Er spielte einige Zeit Gitarre in der Band von Marius Müller-Westernhagen. Insbesondere auf dem Album "Die Sonne so rot" ist er zu hören. 1993 brachte er noch eine Solo-LP heraus. Titel: "Kralle". Ein großer Erfolg wurde sie nicht.

Bis 1989 lebte Krawinkel noch in Großenkneten, dann zog es ihn aber doch nach Berlin. Später ging er dann nach Südspanien, wo er sich als wohlhabender Rentner seinen Hobbys wie Reiten widmete. Aufsehen erregte er mit einem Weltrekord. Eine Reitwanderung von Sevilla nach Hamburg wurde ins "Guinness-Buch der Rekorde" als längste dokumentierte Reise per Pferd aufgenommen.

Die Band Trio fand nie wieder zusammen. Gerüchte um eine Reunion gab es in den 90er Jahren, doch sie bestätigten sich nie. Ein Online-Kondolenzbuch für Krawinkel gibt es auf einer Fanpage für Stephan Remmler

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen