Panorama

Organspendeskandal in München Krebserkrankungen verschwiegen

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Reiner Gradinger, aerztlicher Direktor des Klinikums Rechts der Isar, räumte vier Fälle von manipulierten Meldebögen ein. Von verschwiegenen Erkrankungen von Organempfängern will er nichts gewusst haben.

(Foto: dapd)

Das Ausmaß der Manipulationen bei der Organvergabe in München ist offenbar größer als angenommen. Ärzte des Klinikums fälschten nicht nur Meldebögen, sie verschwiegen laut Magazinberichten auch schwere Erkrankungen von Organempfängern.

Weitere schwere Vorwürfe gegen das Münchener Uniklinikum Rechts der Isar: Ärzte des Krankenhauses füllten offenbar nicht nur Meldebögen falsch aus, um ihren Patienten schnell eine Organspende zu verschaffen, sie verschwiegen auch schwere Krankheiten von Organempfängern.

Unter Berufung auf die Bundesärztekammer berichtet "Der Spiegel", dass ein Arzt der Klinik der Organ-Vermittlungsstelle Eurotransplant nicht mitgeteilt habe, dass sein Patient an einer fortgeschrittenen Krebserkrankung litt. Trotz der schlechten Prognose habe der Patient so eine neue Leber erhalten. Er starb kurz darauf. Im "Focus" sprach Bundesärztekammerpräsident Frank Ulrich Montgomery von "Patienten, die aufgrund ihrer fortgeschrittenen Tumorleiden nicht mehr hätten transplantiert werden dürfen."

Die Klinik wies diese Vorwürfe zurück. "So ist das nicht gewesen. Ich bin sehr überrascht über die Aussage von Herrn Montgomery", sagte der Leiter des Transplantationszentrums Uwe Heemann. Die Untersuchung der Münchner Fälle sei noch nicht abgeschlossen, umso verwunderlicher seien die Vorwürfe.

Klinik gesteht vier Fälle ein

Die Uniklinik hatte . Sie berief sich dabei auf den Bericht einer internen Arbeitsgruppe, die 163 Lebertransplantationen untersucht hatte. Allerdings war bisher nur von gefälschten Patientenakten die Rede. "Wir haben Fehler gemacht, das ist keine Frage", hieß es dazu von Heemann. Einzelne Patienten seien dadurch bevorzugt behandelt worden. "Diese Folge gab es, weil in Einzelfällen auf den Meldebögen zum Beispiel fälschlicherweise angekreuzt wurde, der Patient erhalte eine Dialyse. Dadurch hat er schneller eine Spenderleber erhalten." Aus diesen Fehlern hat die Klinik laut dem Leiter des Transplantationszentrums aber gelernt.

Der Ärztliche Direktor der Klinik, Reiner Gradinger, geht davon aus, dass es insgesamt um vier Fälle geht, bei denen Patienten unzulässig bevorzugt wurden.

Die Staatsanwaltschaft in München prüft, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat vorliegt und schaltete einen Gutachter ein.

In den vergangenen Monaten drangen immer mehr Fälle von Manipulationen bei der Organvergabe an die Öffentlichkeit und lösten  . Der Skandal nahm an seinen Anfang.

Quelle: ntv.de

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