Panorama

Diskriminierung und Gewalt in Werbung Kritik durch Werberat

Eine Kuh namens Paula, ein Kind in der Waschmaschine oder Frauen als Freiwild - die Proteste gegen Werbekampagnen halten sich trotz einiger Auswüchse im Rahmen. Nicht alle Beschwerden sind angebracht, aber 69 Mal zieht der Werberat die Reißleine.

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(Werbe)Fantasie kennt keine Grenzen.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Die Beschwerden über Werbung in Deutschland haben sich trotz einiger Auswüchse im vergangenen Jahr im Rahmen gehalten. Den Deutschen Werberat erreichten Proteste gegen 255 Werbekampagnen, ein paar weniger als im Vorjahr (264). In 69 Fällen (2008: 88) habe das Selbstkontrollgremium der Werbewirtschaft der Kritik zugestimmt und die Unternehmen aufgefordert, Spots oder Anzeigen zurückzuziehen.

Sieben öffentliche Rügen

Sieben öffentliche Rügen sprach der Werberat aus, weil sich Firmen zunächst weigerten, ihre Anzeigen zurückzuziehen. Unmut wurde vor allem wegen Frauenfeindlichkeit, Gewaltverherrlichung und Missachtung moralischer Mindestanforderungen laut.

So musste der Werberat entscheiden, ob es erlaubt ist, wenn in einem TV-Spot ein Pudding mit der Comic-Kuh "Paula" angepriesen wird. Ja, es sei zulässig, entschied der Werberat. Ein Zuschauer hatte die Nennung als diskriminierend empfunden, weil "Paula" in seiner Verwandtschaft vorkomme.

Eindeutig unangebracht empfand der Werberat dagegen eine Anzeige in der Zeitschrift "Wild und Hund". Dort war eine nackte Frau auf einem künstlichen Fuchsbau mit dem Spruch zu sehen: "Jäger stehen drauf, Füchse sowieso". Dieses demütigende Frauenbild verstoße gegen die Grundsätze des Werberats, rügte das Kontrollorgan die Anzeige.

Die Kampagne einer Kaufhauskette, die mit dem Worten warb "Größe zählt" und dabei ein tief ausgeschnittenes Dekolleté zeigte, wurde ebenso eingestellt wie der Hörfunkspot eines Holzfachmarkts. Dort waren Schläge eines Mannes gegen eine Frau zu hören und der Satz: "... schlägt die Preise klein".

Beanstandet wurde auch das Plakatmotiv einer Reinigungskette, auf dem ein Kind in einer Waschmaschinentrommel spielte. Hier sahen die Aufpasser ein gefährliches Muster für Kinder. "Knackig wie Wiener, würzig wie Frankfurter" - der Spruch war einem Fernsehzuschauer aufgestoßen, der Werberat ließ ihn durchgehen. Die Aufzählung beider Städte stelle keine Einverleibung Österreichs dar und erinnere auch nicht an die NS-Zeit. Es gehe hier um Wurstsorten - nicht um Städte.

Medien sind "Spitze"

Insgesamt richteten sich die Beanstandungen gegen 27 Branchen, allen voran die Medien (32 Kampagnen), gefolgt von Dienstleistungen (28), Bekleidung (23) und Lebensmitteln (20).

Angesichts der Wirtschaftskrise und trotz des härteren Wettbewerbs hätten die Beanstandungen gegen die Werbung in Deutschland nicht zugenommen, sagte der Vorsitzende des Werberats, Hans-Henning Wiegmann. Seit Mai 2009 bietet der Werberat eine Vorprüfung von Anzeigen und Spots. Viele Firmen könnten so den wirtschaftlichen Nachteilen und dem Imageschaden im Falle von Kritik und Rückzug einer Anzeige zuvorkommen.

Quelle: ntv.de, dpa

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